Abgas-Skandal: Frau erhält vollen Autopreis zurück

Ein VW Golf Variant TDI war Grund der Klage.
Ein VW Golf Variant TDI war Grund der Klage.Bild: zVg
Die Abgaswerte waren manipuliert. Ein VW-Händler muss deshalb einer Frau den Neuwert eines Autos plus Zinsen zurückzahlen, urteilte das Handelsgericht.
2012 hatte ein Wiener Autohändler einer Niederösterreicherin einen Golf Variant Sky 4Motion TDI um 26.500 Euro verkauft. Beim Auto waren die Abgaswerte manipuliert, was die Frau beim Kauf allerdings nicht wusste. Als sie davon erfuhr, klagte sie.

Drei Jahre wurde verhandelt, jetzt fällte das Wiener Handelsgericht ein nicht rechtskräftiges Urteil (23 Cg 67/15a -35). Hätte die Frau von den gefälschten Abgaswerten gewusst, hätte sie den Kaufvertrag nicht abgeschlossen, lautet die zentrale Erkenntnis. Das Gericht sprach ihr rund 29.000 Euro zu, die Zinsen sind inkludiert. „Ich bin optimistisch, dass das Urteil bis zum Obersten Gerichtshof hält", erklärte Anwalt Michael Poduschka, der die Klägerin vertrat, gegenüber „Heute".

25.000 Kilometer gefahren

Laut Urteil bekommt sie damit mehr als den vollen Kaufpreis zurück, obwohl sie mit dem Wagen in fünf Jahren 25.000 Kilometer gefahren war. Für die Benutzung des Autos wurden vom Gericht aber nur diese gefahrenen Kilometer abgezogen, nicht der sonst übliche Wertverlust von rund 50 Prozent.

CommentCreated with Sketch.27 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Poduschka spricht vom bisher vorteilhaftesten Urteil für Käufer. Bei der Berechnung des Benutzungsentgeltes sei das Gericht in diesem Fall seiner kundenfreundlichen Argumentation gefolgt, so der Anwalt.

Anwalt empfiehlt Klagen

Der Anwalt empfiehlt allen betroffenen VW-Fahrern mit Rechtschutzversicherung zu klagen. Er könne zwar keinen Prozesserfolg garantieren, doch die Chancen stünden bei 50 Prozent. „Man hat ja nichts zu verlieren". Poduschkas Anwaltsgesellschaft führe derzeit mehr als 200 ähnliche Prozesse, betonte der Anwalt gegenüber „Heute".

In Österreich gibt es geschätzt 394.000 manipulierte Autos (VW, Audi, Seat und Skoda) des VW-Konzerns. Mehr als 41.000 müssen noch umgerüstet werden, um die illegalen Abschalteinrichtungen zu entfernen.

"Vertrauen verloren"

Entscheidend für das Handelsgericht war, dass in dem Auto eine Software eingebaut war, die zur Manipulation der Abgaswerte am Prüfstand diente. Deshalb „hätte die Frau das Fahrzeug nicht gekauft". „Aufgrund dieser Manipulation hat die Klägerin ihr Vertrauen in die Volkswagen AG verloren", heißt es weiter.





Kein Neuwagenkäufer habe Interesse an einem Fahrzeug, bei dem er gezwungen werden könnte, „eine technische Überarbeitung mit unbekannten Folgen vornehmen zu lassen widrigenfalls die Möglichkeit des Entzugs der Zulassung besteht", so die Begründung.

Software-Update keine Lösung

Vom Software-Update, das die Klägerin nicht durchführen ließ, hält das Handelsgericht wenig: „Die Klägerin wird aufgrund der mit der Nachrüstung verbundenen möglichen Beeinträchtigung auch nach Durchführung der von Volkswagen angebotenen technischen Maßnahmen nicht so gestellt, wie sie es zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses annahm."

(GP)

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