Österreich

Frau verlor mit Abnehm-Spritze 19 Kilo in fünf Monaten

Promis wie Elon Musk und Kim Kardashian setzen beim Abnehmen auf eine Diabetes-Spritze. Auch in Österreich wird das "Diät-Wundermittel" angeboten.

Christine Ziechert
Andrea S. hat mit der neuen Diät-Spritze 19 Kilos in weniger als einem halben Jahr abgenommen.
Andrea S. hat mit der neuen Diät-Spritze 19 Kilos in weniger als einem halben Jahr abgenommen.
privat/ istock

Die Wirkung klingt viel versprechend: Bis zu 15 Prozent Verlust des Körpergewichtes innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Dafür müssen sich Abnehmhungrige nur ein Mal pro Woche ein Diabetes-Medikament (Wegovy bzw. Ozempic) mit dem Wirkstoff Semaglutid in die Bauchfalte spritzen. Nachdem Promis wie Elon Musk und Kim Kardashian von dem neuen "Diät-Wundermittel" schwärmten, setzte in den Sozialen Medien ein regelrechter Hype um die Abnehm-Spritze ein.

Auch Dr. Christian Wolf bietet die Injektionstherapie zur Gewichtsreduktion seit etwas mehr als einem Jahr an, hat sie bereits bei rund 30 Patienten angewandt: "Die Behandlung ist für Menschen mit einem BMI über 30 vorgesehen. Aber auch Patienten mit geringerem BMI können unter bestimmten Voraussetzungen die Therapie absolvieren", erklärt der Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie im Gespräch mit "Heute".

"Innerhalb von 4,5 Monaten habe ich mit der Spritze 19 Kilo abgenommen und seit Beendigung der Therapie im August nur ein Kilo wieder zugenommen" - Andrea S.

Das Diabetes-Mittel, dessen Dosis sukzessive gesteigert wird, wirkt wie das körpereigene Hormon GLP-1: Die Insulinausschüttung wird angeregt, ein Sättigungsgefühl erzeugt und der Appetit damit gezügelt. 10 bis 15 Prozent der überschüssigen Kilos sollen durch die Abnehm-Spritze purzeln – am ganzen Körper, da auch tiefere Bauchfettschichten erreicht werden. Wichtig ist allerdings, dass die Betroffenen dauerhaft ihre Ernährung und ihren Lebensstil (mehr Bewegung, nicht rauchen) adaptieren, "damit es nicht zum Jojo-Effekt kommt", so Wolf, der in Wien und Salzburg Praxen betreibt.

Auch Andrea S. (Name geändert) hat bei dem Mediziner die Abnehm-Spritze mit starker Depot-Wirkung ausprobiert – mit Erfolg: "Ich hatte vor 2,5 Jahren einen schlimmen Beinbruch. Durch die Bewegungseinschränkung habe ich von 63 auf 79 Kilo zugenommen. Mein Zielgewicht war 65 Kilo, bei 60 habe ich aufgehört. Innerhalb von 4,5 Monaten habe ich mit der Spritze 19 Kilo abgenommen und seit Beendigung der Therapie im August nur ein Kilo wieder zugenommen", so die 49-jährige Ehefrau und zweifache Mutter zu "Heute".

    Süßkartoffeln und Kartoffeln enthalten eine besonders hohe Menge an Hyaluron. Da die Lebensmittel schnell satt machen, brauchst du auch keine Angst davor zu haben schnell zuzunehmen.
    Süßkartoffeln und Kartoffeln enthalten eine besonders hohe Menge an Hyaluron. Da die Lebensmittel schnell satt machen, brauchst du auch keine Angst davor zu haben schnell zuzunehmen.
    Getty Images/iStockphoto
    "Manche haben stärkere Nebenwirkungen, manche gar keine. Die meisten Patienten vertragen es aber sehr gut" - Alexandra Kautzky-Willer, Fachärztin für Innere Medizin

    Die Ernährungsgewohnheiten von Andrea S. änderten sich durch das Medikament massiv: "Mein Magen hat sehr sensibel reagiert. Ich konnte nicht mehr zu fettig und deftig essen. Ich hab' einfach gespürt, was mir nicht gut tut. Ich hatte aber überhaupt keinen Heißhunger und viel Energie, fühlte mich nicht schlapp", erinnert sich die Salzburgerin.

    Laut Alexandra Kautzky-Willer, Fachärztin für Innere Medizin an der MedUni Wien, ist zudem die Zahl der Nebenwirkungen des "derzeit stärksten Abnehm-Medikaments" gering: "Es kann etwa zu Übelkeit, Erbrechen und Magen-Darm-Beschwerden kommen. Manche haben stärkere Nebenwirkungen, manche gar keine. Die meisten Patienten vertragen es aber sehr gut. Nur bei Gallenproblemen ist die Therapie nicht geeignet. Und es sollte nicht sein, dass Normalgewichtige es nehmen."

    Kosten müssen selbst getragen werden

    Auch Andrea S. spürte kaum Nebenwirkungen: "Ich war sehr skeptisch und habe Bammel gehabt deswegen. Als ich nichts hatte, war ich positiv überrascht", meint die Selbstständige. Trotzdem sollte die Therapie nicht ohne regelmäßige Kontrollen und fachärztliche Begleitung erfolgen: Denn etwa Nieren- und Leberwerte müssen laufend gecheckt werden. 

    Das Arzneimittel, das eigentlich für fettleibige Patienten gedacht ist, wurde in den USA bereits als Abnehm-Spritze zugelassen. "Bei uns ist es nur auf Anfrage erhältlich", meint Beauty-Arzt Wolf. Zudem müssen die Kosten selbst getragen werden – auch bei krankhaftem Übergewicht: "Da bei uns Adipositas nicht als Krankheit anerkannt ist, zahlen die Kassen die Therapie nicht", kritisiert Diabetes-Expertin Kautzky-Willer.

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      Leserreporter
      "Ich habe insgesamt 1.250 Euro für die Spritzen ausgegeben. Ich finde, es ist leistbar" - Andrea S.

      Auch Andrea S. musste die Behandlung aus eigener Tasche bezahlen: "Ich habe insgesamt 1.250 Euro für die Spritzen ausgegeben. Ich finde, es ist leistbar. Aber natürlich muss man auch sagen: Jeder Körper ist anders, jeder reagiert anders. Ich habe auf jeden Fall am ganzen Körper abgenommen, sogar am Po. Statt Kleidergröße 40 habe ich jetzt 36."

      Für Fachärztin Kautzky-Willer steht jedenfalls fest: "Das Medikament hat eine neue Ära eingeleitet. Endlich gibt es eine Alternative zur Adipositas-Chirurgie (z.B. Magenverkleinerung, Anm.). Es werden bald mehr Mittel kommen, die noch stärker gewichtsreduzierend sind und gegen eine Verfettung der Leber wirken", meint die 60-Jährige. Wer sich für die Abnehm-Spritze entscheidet, sollte allerdings bedenken, dass die Elastizität der Haut unter dem starken Gewichtsverlust leidet: "Und diese überschüssige Haut geht auch nicht weg", so Chirurg Wolf.