Abreise-Chaos: Scharfe Kritik an Tiroler Behörden

Wie in Tirol mit dem Coronavirus umgegangen wird, das sorgt in den letzten Tagen für immer lauter werdende Kritik.

Eine Apres Ski-Bar im Nobel-Skiort Ischgl ist der Ausgangspunkt für Hunderte Corona-Infektionen in ganz Europa. Das werfen Länder wie Island, Schweden, Dänemark und Norwegen vor. Auch sonst steht das Land Tirol für seinen Umgang mit Corona scharf in der Kritik.

Barkeeper steckte halb Skandinavien an

Der Barkeeper aus dem "Kitzloch" soll der Patient Null sein, der schon vor dem 5. März (wo die isländische Regierung Ischgl offiziell zum Risikogebiet erklärte) viele angesteckt haben soll. Er wurde erst am 7. März positiv getestet, weitere drei Tage dauerte es, bis die Tiroler Landesregierung alle Apres Ski-Bars in Ischgl schloss.

Die Tiroler Landesregierung muss sich nun vorwerfen lassen, aus Rücksicht auf den Skitourismus nicht schnell genug auf die Warnung aus Island reagiert zu haben. Doch das ist nicht der einzige schwere Vorwurf.

Abreise-Chaos

Acht Tage nach der isländischen Warnung, am 13. März, erklärte die Bundesregierung in Wien das gesamte Paznauntal, in dem Ischgl liegt, endlich zum Quarantäne-Gebiet. Ausländische Touristen hätten ohne Zwischenstopp ausreisen müssen.

Und auch da gab es einige Pannen, wie der "Standard" berichtet. Die Abreise funktionierte scheinbar nicht so wie angedacht, zahlreiche Touristen aus dem Quarantäne-Gebiet verteilten sich in der Folge über das ganze Bundesland und übernachteten nochmal hier. Genau das, was nicht passieren hätte sollen.

Touristen schwärmten in Tirol aus

Wie konnte es so weit kommen? Nach Ankündigung der Quarantäne hätten ausländische Touristen eigentlich bis Dienstagmittag im Paznauntal ausharren können, bis ihre Rückflüge angesetzt werden. Die Idee: Direkt von dort zum Flughafen, kein Kontakt mehr mit anderen Menschen.

Doch Hotels in den abgeriegelten Orten Ischgl, Kappl, See, Galtür und St. Anton am Arlberg setzten ihre Gäste nach Ankündigung der Quarantäne - und trotz aufrechter Buchung - einfach vor die Tür. Einige mussten die Ski-Orte zu Fuß verlassen.

In der Folge kamen Hunderte gestrandeten Touristen in anderen Tiroler Orten wie Imst und Innsbruck unter. Dass die Tiroler Behörden nicht nur zuließen, dass so etwas passiert sondern auch noch tatkräftig mithalfen, ist der aktuellste schwere Vorwurf.

Reaktion von offizieller Seite

Die Reaktion der Tiroler Landesregierung auf diese Kritik ist ebenso fragwürdig wie die Vorgänge: Zunächst hatte die Landesregierung noch behauptet, die Urlauber selbst seien so unverantwortlich gewesen und hätten noch einmal in Tirol übernachtet. Der "Standard" deckt dies in einer Recherche aber als falsch auf: Es gab eine Polizei-Eskorte für 159 Briten, die nach Imst gebracht wurden.

Und auch auf die Vorwürfe rund um die Bar in Ischgl reagiert man nicht mit Einsicht. Der Tiroler Landesrat für Gesundheit, Bernhard Tilg (ÖVP) betonte im Interview mit Armin Wolf in der ZIB2 nur mehrmals: "Die Behörden haben alles richtig gemacht." (siehe Video oben)

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