Wirtschaft

Acht Jahre Haft für früheren BayernLB-Vorstand

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:30

Das Landgericht München I hat das ehemalige Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, am Mittwoch zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Gribkowsky habe beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone 35,3 Mio. Euro Schmiergeld kassiert und nicht versteuert, urteilte das Gericht am Mittwoch. Der ehemalige Spitzenbanker wurde deshalb wegen Bestechlichkeit in Tateinheit mit Untreue und Tatmehrheit der Steuerhinterziehung verurteilt. Der Staatsanwalt sieht Ecclestone als Mittäter in der Affäre.



Gribkowsky hatte im Jahr 2006 als Risikovorstand der BayernLB den Auftrag, die Anteile der Bank an der Formel 1 zu verkaufen. Dabei arbeitete er eng mit Ecclestone zusammen, der die Bank als Eigentümer unbedingt los werden wollte. "Er fühlte sich eingeengt von den Bankern, die nichts verstehen", sagte Rodler. Um sicherzugehen, dass Gribkowsky den Verkauf in seinem Sinne regle, habe Ecclestone dem Banker aus Bayern einen Beratervertrag bei der Formel 1 und viel Geld versprochen - was Gribkowsky ganz recht war. "Er hatte schon lange die Absicht, die staubige Landesbank zu verlassen."

Auf Steuererklärung verzichtet

Um eine Zusatzprämie zu seinem Jahresgehalt von rund 500.000 Euro für sein Engagement beim Formel-1-Verkauf kämpfte Gribkowsky bei der BayernLB vergeblich. "Alle haben an dem Deal gewonnen, nur die Landesbank hatte ihm einen Bonus verweigert", sagte Rodler. Weil er Anerkennung für seine Arbeit gesucht habe und finanziell profitieren wollte, habe Gribkowsky die 44 Millionen angenommen und in der Steuererklärung nicht angegeben.

Als Jurist habe Gribkowsky gewusst, dass er gegen das Gesetz handelte und das Geld als Amtsträger der BayernLB nicht hätte annehmen dürfen. Gribkowsky hatte die Vorwürfe vor einer Woche nach acht Monaten Schweigen gestanden - und damit zum "spätmöglichsten Zeitpunkt", wie Oberstaatsanwalt Christoph Rodler sagte. Einen Teil der Strafe hat Gribkowsky schon hinter sich: Seit eineinhalb Jahren sitzt er in Untersuchungshaft.

Staatsanwalt über Ecclestone: "Kein Opfer, sondern Mittäter"

Ecclestone hatte bei seiner Zeugenaussage gesagt, er habe sich von Gribkowsky bedroht gefühlt und eine Anzeige bei den britischen Steuerbehörden befürchtet, die ihn Milliarden hätte kosten können. Dieser Version schenkte der Staatsanwalt keinen Glauben. Ecclestone sei nicht Opfer einer Erpressung, sondern Mittäter einer Bestechung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen dieses Verdachts auch gegen Ecclestone, hat aber noch keine Entscheidung über eine Anklage getroffen.

Gribkowskys Verteidiger Daniel Amelung kritisierte die Anklagebehörde dafür, Ecclestone nicht zusammen mit Gribkowsky vor Gericht gebracht zu haben. "Die Staatsanwaltschaft hätte es in der Hand gehabt, ohne große Probleme Herrn Ecclestone mit anzuklagen." Sie sei aber "gebisslos" gegen den Formel-1-Chef vorgegangen.

Mögliche Folgen für die Königsklasse des Motorsports

Das Urteil kann jetzt noch unabsehbare Folgen für die Formel 1 bekommen. Das Handelsblatt hatte berichtete, dass die internen Verhaltensregeln dem Autobauer Daimler die Zusammenarbeit mit Partnern verbietet, die Schmiergeld zahlen. Dies würde eine Zusammenarbeit des Mercedes-Teams von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher mit Ecclestone dem Blatt zufolge im Fall erwiesener Schmiergeldzahlungen verbieten.

Ecclestone erhielt für seine Rolle als Vermittler des Käufers CVC, dem die Formel 1 bis heute gehört, 66 Millionen Dollar Provision - diese wäre ohne Gribkowskys Deal mit dem Briten nicht nötig gewesen und wird vom Staatsanwalt als Schaden für die BayernLB gewertet.

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