Adoptierte will mittels DNA-Matches ihre Mutter finden

Sara T. (49, r.) aus Amsterdam ist auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter Gabi (l.) aus Wien. 
Sara T. (49, r.) aus Amsterdam ist auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter Gabi (l.) aus Wien. zVg, privat
Seit 30 Jahren ist Sara T. (49) auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Die Wienerin schloss sich in den 70er-Jahren einer Hippie-Kommune an. 

Erinnerungen an ihre Mutter sind Sara T. (Name geändert) keine geblieben, nur Fotos, die sie dank mühsamer Recherche von Freunden und Bekannten auftreiben konnte. Die Niederländerin wurde gleich nach der Geburt im Jahr 1972 in Amsterdam von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben.

Eine Familie aus Marken nahm Sara auf, als sie acht Monate alt war: "Ich hatte das Glück, bei einer sehr warmherzigen Familie aufzuwachsen, die ich sehr liebe. Aber die Frage nach meiner leiblichen Mutter war immer da. Wer ist sie? Wie ging ihr Leben nach meiner Geburt weiter?", so die 49-Jährige zu "Heute"

"Meine Mutter war Model und in der Münchner Hippie-Szene. Sie zog dort durch die berühmten Clubs" - Sara T.

Bei der Adoptionsvermittlung gab Sara's Mutter den Namen Gabriela Christina Sommer an, geboren am 10. Mai 1953 in Wien: "Sie stammte laut eigener Aussage aus einem konservativen Elternhaus, hatte eine ältere Schwester und einen acht Jahre jüngeren Bruder. Mit 17 Jahren zog sie aus und ging nach München", meint Sara T. 

Dort schloss sich Gabriela Sommer der Hippie-Szene an: "Meine Mutter studierte Kunstgeschichte und arbeitete als Model. Sie zog mit den anderen durch die berühmten Clubs der Flower-Power-Ära der Brüder Anusch und Temur Samy. In der Szene wurde sie nur 'Gabi' genannt", erzählt Sara T.

"Eine Krankenschwester legte mich in ihren Arm, dann wurde ich ihr gleich weggenommen. Das war offenbar sehr emotional für sie" - Sara T.

Schließlich lernte Gabi Saras leiblichen Vater kennen: Ali, ein Iraner, der in München Sprachen studierte: "Sie lebten eine Zeit lang zusammen, dann wurde meine Mutter mit mir schwanger. Da damals eine Adoption nur in den Niederlanden möglich war, zog sie zu einer Freundin namens Anita nach Amsterdam."

Am 9. Juni 1972 wurde Sara im ehemaligen Wilhelmina-Gasthuis-Krankenhaus geboren: "Eine Krankenschwester legte mich in ihren Arm, dann wurde ich ihr gleich weggenommen. Das war offenbar sehr emotional für sie. Danach löste sie sich einfach in Luft auf, sie unterschrieb nicht einmal mehr die letzten Adoptionspapiere", berichtet Sara T.

Ibiza, München oder Wien – wo ist Gabi Sommer?

Mit Hilfe von Anita gelang es Sara T. Kontakt zu ehemaligen Freunden in München aufzunehmen, doch alle Spuren verliefen im Sand: "Einige sagten, sie ging für einige Zeit nach Ibiza und dann zurück nach München. Ein Freund meinte, er hätte ihr geraten, zu ihrer Familie nach Wien zurückzukehren. Und eine Bekannte aus der Hippie-Szene glaubt, sie vor einigen Jahren auf der Straße in Wien gesehen zu haben. Aber konkrete Hinweise gibt es leider keine", erklärt die 49-Jährige.

In ihrer Verzweiflung griff Sara T. auch zu ungewöhnlichen Mitteln: "Ich habe alle möglichen Gabi Sommer angeschrieben, obwohl meine Mutter ja verheiratet sein könnte oder vielleicht ganz anders heißt. Und ich habe alle mit dem Namen Sommer in Wien, die im Telefonbuch standen, durchtelefoniert." Auch die Nachfrage beim zentralen Melderegister in Wien brachte keinen Treffer.

"Beim DNA-Test kam heraus, dass ihre Vorfahren aus der Umgebung von Wieselburg (NÖ) stammen" - Sara T.

Mittels DNA-Test ist die Niederländerin aber nun ihrer Mutter auf der Spur – oder zumindest deren Verwandten: "Ich habe 2019 und 2021 einen DNA-Test gemacht. Dabei kam heraus, dass ihre bzw. meine Vorfahren aus der Umgebung von Wieselburg (NÖ) stammen. Eine Freundin von mir versucht, einen Stammbaum zu erstellen, um mehr über Gabis Familie zu erfahren. Sie wühlt sich gerade durch diverse Zertifikate aus alten Kirchenbüchern."

Einen kleinen Erfolg konnte Sara T. bereits erzielen: "Ich habe meinen leiblichen Vater gefunden. Da er im Iran lebt, haben wir uns in Istanbul getroffen. Er hat mich auch in Amsterdam besucht und ist einige Wochen geblieben. Aber wir haben sehr oft gestritten, seit einigen Jahren habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm."

Sara T. gibt die Hoffnung nicht auf

Die Suche nach ihrer Mutter lässt Sara T. auch nach fast 30 Jahren nicht los: "Ich war immer eine Außenseiterin, vielleicht aufgrund meines orientalischen Aussehens oder vielleicht auch wegen einiger Charakterzüge. Seit ich denken kann, habe ich eine tiefe Sehnsucht nach meiner Mutter. Ich hoffe, sie oder jemand, der sie kennt, liest den Bericht und meldet sich."

Hinweise zu Gabriela Christina Sommer und ihrer Familie bitte an c.ziechert@heute.at

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