Seit Jahren protestieren Tierschützer gegen die Nutzung von Pferden für Fiaker – vor allem wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen. Aktuell hat man sich in Wien darauf geeinigt, dass die Tiere ab 35 Grad hitzefrei bekommen müssen. In Niederösterreich gibt es eine solche Verordnung nicht, die Fiaker sind dennoch sehr bemüht um das Wohl ihrer Tiere.
Auch in Krems an der Donau ziehen dieser Tage Kutschen ihre Runden, vorwiegend jene der Gebrüder Wolf. Eine Kremserin begegnete vergangene Woche einem Gespann in der Innenstadt. Am Donnerstag gegen 16 Uhr zeigte die Anzeige in ihrem Auto gerade 38 Grad an. "Die Fiaker in Krems, die angeblich so viel Wert auf das Wohl der Tiere legen – und trotzdem bei der größten Hitze durch die Innenstadt kutschieren", wettert die Frau gegenüber "Heute".
Derartige Fotos von den Fahrten landen auch immer wieder in Sozialen Netzwerken, beim Veterinäramt und der Polizei. Während im Internet die Auswirkung groß ist, sieht man bei den Behörden allerdings wenig Grund, die Fahrten zu unterbinden. Die Gründe dafür erklärt Fiaker Thomas Wolf gegenüber "Heute" : "Wir waren nie bei über 35 Grad im Schatten unterwegs, die hatte es in Krems am vergangenen Donnerstag laut Aufzeichnungen auch gar nicht. Das Auto muss also in der Sonne gestanden haben. Wenn es 35 Grad hat, fahren wir nicht mehr. Von Tierquälerei kann hier außerdem generell keine Rede sein."
Unabhängig davon, versteht der leidenschaftliche Fiaker die Aufregung überhaupt nicht. "Derzeit sind unsere Pferde nur rund 1,5 Stunden pro Tag unterwegs, die Fahrten werden auf das Wesentliche reduziert. Die Tiere sind 80 Prozent ihrer Zeit auf den Koppeln. Die wenigen Fahrten sind für sie Spaziergänge, die mit dem Wind oft angenehmer sind, als wenn sie im Stall oder der prallen Sonne stehen würden. Wir lieben unsere Pferde, wie ein Hundebesitzer seinen Hund liebt und können die ständige Kritik von selbsternannten Tierschützern überhaupt nicht verstehen", so Wolf.
Er und sein Bruder können die Kritik im Internet oft nur nicht nachvollziehen, sondern auch gar nicht lesen. "Offenbar wurden wir von den Personen, die uns ständig angreifen, einfach blockiert. Wir bekommen dann von Freunden Screenshots, die wir allerdings natürlich nicht selbst kommentieren können", erklärt er. "Die Leute sollen doch zu uns kommen und sich selbst davon überzeugen, wie gut es den Pferden geht und nicht nur schimpfen. Ich und mein Bruder, wir gönnen uns seit fünf Jahren so gut wie nichts, investieren alles in die Pferde und Kutschen."
Eine Hitzekollaps eines Pferdes habe es in den vergangenen Jahren laut Wolf in Österreich generell nicht gegeben. In einer Hitzewelle wie jetzt, seien es oft die Menschen, für die die Fahrt weitaus anstrengender als für die Pferde sei. "Wir fahren nur das Nötigste, fragen aktuell auch aktiv bei den Kunden nach, ob ihnen eh nicht zu heiß ist."