AfD-Parteitag: Herbe Enttäuschung für Petry

50.000 Menschen demonstrieren gegen den Parteitag der AfD am Samstag in Köln. Drinnen musste Chefin Frauke Petry eine Niederlage hinnehmen.

Die rechtspopulistische Partei "Alternative für Deutschland" mit ihrer bisherigen Chefin Frauke Petry traf sich am Samstag in Köln zum Parteitag. Großes Thema: Wer soll als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl ins Rennen gehen? Frauke Petry hat bereits auf die Spitzenkandidatur verzichtet. Sie erlitt beim Parteitag eine weitere herbe Enttäuschung: Ihr Antrag, die AfD regierungsfit zu machen, wurde nicht einmal auf die Tagesordnung gesetzt.

Die Demos gegen den Parteitag begannen bereits in der Nacht. Die Polizei rechnete insgesamt mit über 50.000 Demonstranten. Dabei ging es nicht nur ruhig zu, die Polizei hatte alle Hände voll zu tun. Die Beamten waren teilweise auf Pferden unterwegs und beobachteten das Geschehen auch von einem Hubschrauber aus, der über der Stadt kreiste. An mehreren Stellen war die Stimmung den ganzen Tag über "unruhig und aggressiv", wie ein Polizeisprecher mitteilte.

Rauchbomben und verletzter Polizist

Bei einem Demo-Marsch in der Südstadt wurden mehrere Rauchbomben gezündet, wie die Polizei gegenüber "Focus Online" bestätigt. Die Demonstranten sind der Polizei nicht gut gesinnt, Sprechchöre lauten: "Deutsche Polizisten schützen Faschisten."

AfD-Delegierte attackiert

Im Stadtteil Deutz versuchten etwa 100 Personen, eine Polizeikette zu durchbrechen. Passanten, die auf dem Weg ins Tagungshotel der AfD waren, wurden beschimpft und ausgepfiffen. Die Demonstranten wurden etwas später von der Polizei eingekesselt.

Auf der Hohenzollernbrücke wurde sogar ein Polizist verletzt. Er ging dazwischen, als ein Vermummter einen AfD-Delegierten mit einer Holzlatte attackierte. Der Täter ist entkommen.

Bürgermeisterin: AfD provoziert

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker appellierte im Vorfeld an die Demonstranten, friedlich zu bleiben. "Ich bin stolz darauf, dass so viele Kölnerinnen und Kölner ein friedliches, aber zugleich deutliches Zeichen setzen wollen mit eigenen Kundgebungen, für Respekt, Toleranz und die von uns gelebte Vielfalt." Die Entscheidung der AfD, ausgerechnet in Köln den Parteitag abzuhalten, empfindet sie als "klare Provokation".

Am Nachmittag sprach Reker auf dem Heumarkt vor Demonstranten. Sie freute sich, dass so viele Menschen ein Zeichen gegen Hass, Hetze und Ausgrenzung setzen.

Zwischenrufe auch beim Parteitag

Der eigentliche Parteitag startet unterdessen betont ruhig. Das blieb aber nicht lange so. Ein wegen antisemitischer Schriften in Ungnade gefallener AfD-Politiker störte mit Zwischenrufen.

Derweil stimmen die Delegierten lediglich über die Punkte der Tagesordnung ab. Erste Niederlage für Frauke Petry: Über ihren sogenannten Zukunftsantrag, der die Partei auf einen "realpolitische Kurs" und fit fürs Mitregieren machen soll, wird nicht abgestimmt.

Niederlage für Petry

Später gab Petry ein erstes Statement dazu ab: Sichtlich enttäuscht bezeichnete sie das Scheitern ihres Zukunftsantrages als "folgenschwere Entscheidung" und einen Fehler. Medienberichten zufolge verließ Petry gemeinsam mit ihrem Ehemann Pretzell danach den Parteitag. (csc)

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