Afghanistan-Abzug der Österreicher wohl schon im Juli

14 Bundesheer-Angehörige sind noch im Land am Hindukusch. Ein fast 20-jähriger Einsatz endet demnächst. (Symbolbild).
14 Bundesheer-Angehörige sind noch im Land am Hindukusch. Ein fast 20-jähriger Einsatz endet demnächst. (Symbolbild).ALEX HALADA / picturedesk.com
Eigentlich sollten alle österreichischen Soldaten im September aus Afghanistan abgezogen werden, doch nun wird es wohl im Juli so weit sein.

Eigentlich sollten alle österreichischen Soldaten im September aus Afghanistan abgezogen werden, doch nun könnte es schon früher so weit sein. Der fast 20-jährige Einsatz des Bundesheers in Afghanistan – wo 14 Bundesheer-Angehörige derzeit stationiert sind – endet vermutlich spätestens im Juli, berichtet die APA unter Berufung auf Oberstleutnant Michael Grafl aus Kabul.

Jener sagte nämlich, er hoffe auf eine Rückkehr zu seiner Frau und seinen zwei Kindern bis spätestens im Juli. Aufgrund der Pandemie sei kein Heimaturlaub möglich gewesen.

Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte

 Das österreichische Engagement sei von Seiten der NATO und auch Afghanistans sehr positiv aufgefasst worden.

Wie die APA schildert, waren die Österreich zuletzt im Bereich Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte tätig. Die Soldaten beteiligten sich aber nicht aktiv an Kampfhandlungen.

In den 20 Jahren des Einsatzes gab es kein einziges österreichisches Opfer. Wie Grafl im APA-Gespräch erzählte, seien alle Soldaten sehr gut ausgebildet und hätten Auslandserfahrung. So auch Grafl selbst, der im Kosovo war. 

Stabilisierung der Lage

Der österreichische Einsatz habe zum Ziel gehabt, zur Stabilisierung der Lage beizutragen. Grafl "bekomme immer wieder sehr, sehr positive Rückmeldung, dass das vorbildlich durchgeführt wird". Auch vonseiten der afghanischen Sicherheitskräfte würde die Unterstützung "sehr dankend" angenommen. 

"Es ist ein Vertrauensverhältnis entstanden."

Der Einsatz der afghanischen Sicherheitskräfte, die täglich Gefahr laufen, Ziel eines Anschlags zu werden, sei "hoch zu schätzen", sagt Grafl.

Grafl selbst ist seit 17. Februar in Kabul stationiert. Die anderen Österreicher sind zur Zeit in Mazar-i-Sharif in Nordafghanistan, im Camp der deutschen Bundeswehr, im Einsatz. Sie bereiten sich bereits auf den Abzug vor.

Weitere Unterstützung

Wie es heißt, sollen 10.000 NATO-Soldaten der Ausbildungsmission "Resolute Support" Afghanistan am 11. September verlassen haben. Wie sich die Sicherheitslage danach entwickeln wird, sei noch schwer vorherzusagen, zitiert die APA den Oberstleutnant.

 "Es wird mit dem kompletten Abzug für die afghanischen Sicherheitskräfte nicht leichter werden", erwartet Grafl.

Die NATO und vor allem die USA hätten jedoch die Absicht, "weiter zu unterstützen, wie immer diese Unterstützung dann ausschaut". Die Österreicher aber rücken definitiv ab.

Weiter habe sich die Sicherheitslage seit Beginn des Abzugs am 1. Mai nicht unbedingt verbessert, so die APA. Laut Grafl gebe es dauernd Drohungen der Taliban gegen die internationale Truppe. Die Drohungen "haben in den letzten Tagen und Wochen zugenommen", so Grafl.

Mehr Angriffe um 1. Mai

Tagtäglich würden Angriffe auf Sicherheitskräfte und die Zivilbevölkerung verübt.

"Man merkt, dass das rund um den 1. Mai zugenommen hat".

Bisher habe es zum Glück keine direkten Angriffe gegen die NATO gegeben. Das Militärbündnis habe "auch alle Vorkehrungen getroffen, damit die internationalen Truppen bestmöglich geschützt sind".

Corona-Lage im Griff

Auch die Corona-Lage habe die NATO "sehr, sehr gut im Griff". Hierzu tragen strikte Regeln wie das ständige Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Einhalten von Abständen bei. Außerdem haben die US-Streitkräfte den anderen Nationen angeboten, sie mitzuimpfen. Daher wurden auch die Österreicher mit Johnson & Johnson geimpft.

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