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Ägyptisches Gericht verbot Muslimbruderschaft

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:52

Ein ägyptisches Gericht hat der Muslimbruderschaft und allen ihr nahestehenden Organisationen das Handeln verboten. Damit steht auch die aus ihr hervorgegangene Partei für Freiheit und Gerechtigkeit des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi vor dem Aus.

Richter Mohammed al-Sayed beschloss am Montag in Kairo außerdem, das Vermögen und die Immobilien der Islamistenbewegung zu konfiszieren. Während der Urteilsverkündung war kein Vertreter der Muslimbruderschaft anwesend. Die Organisation wurde in dem Verfahren durch einen Anwalt vertreten.

Wie reagieren die Muslimbrüder darauf?

Die Muslimbruderschaft, deren Führungsspitze inzwischen im Gefängnis sitzt, könnte theoretisch Einspruch gegen das Urteil einlegen. Der Prozess vor dem Eil-Gericht geht auf eine Klage der linken Tagammu-Partei zurück. Diese hatte argumentiert, die Muslimbrüder gefährdeten die nationale Sicherheit. Doch der Gerichtsentscheid dürfte nun weitere Muslimbrüder in den Untergrund drängen und könnte die Islamisten dazu bringen, mit Waffengewalt gegen den Staat vorzugehen.

Die Muslimbrüder hatten nach dem Umsturz von Langzeitherrscher Hosni Mubarak im Jahr 2011 die Parlaments- und Präsidentenwahlen gewonnen. Mursi wurde Anfang Juli nach nur einem Jahr im Amt vom Militär gestürzt. Seine Anhänger demonstrierten daraufhin wochenlang.

Hartes Vorgehen gegen die Islamisten

Die Militärregierung ging in den vergangenen Wochen immer härter gegen die Islamisten vor. Bei der gewaltsamen Räumung zweier Protestlager der Muslimbrüder in Kairo wurden Mitte August Hunderte Menschen getötet. In den folgenden Wochen wurden 2.000 Mitglieder der Muslimbrüder festgenommen, darunter nahezu die gesamte Führungsriege. Der Chef der Muslimbrüder, Mohammed Badie, und seine zwei Stellvertreter wurden wie Mursi wegen Anstiftung zum Mord angeklagt.

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