Auf sozialen Medien machen aktuell wieder Videos aus Flughäfen die Runde, die für heftige Diskussionen sorgen. Zu sehen sind Reisende, die sich im Rollstuhl durch den Airport bringen lassen – und später offenbar problemlos wieder aufstehen und weitergehen. An manchen Gates sind Dutzende Rollstuhlfahrer hintereinander aufgefädelt.
Der Vorwurf: Passagiere sollen den kostenlosen Rollstuhl-Service nicht aus gesundheitlichen Gründen nutzen, sondern um lange Wege und Warteschlangen bei Kontrollen zu umgehen. Ob das bei jedem einzelnen viralen Video tatsächlich der Fall ist, lässt sich allerdings nicht überprüfen.
Dass der enorme Bedarf an Rollstühlen für Fluglinien tatsächlich zum Problem werden kann, zeigen Zahlen aus Indien. Air India verzeichnete bereits 2025 mehr als 100.000 Rollstuhl-Buchungen pro Monat auf nationalen und internationalen Flügen.
Besonders hoch war die Nachfrage auf Langstrecken in die USA und nach Großbritannien. Am 19. Februar 2025 wurden auf einem Flug von Delhi nach Chicago gleich 99 Rollstühle gebucht. Damit wollte fast jeder dritte Passagier Unterstützung.
Und das war kein Einzelfall: Auf derselben Verbindung wurden Anfang Februar 97 Rollstühle angefordert. Bei einem Flug von Delhi nach Newark waren es im März 89. Mitarbeiter berichteten sogar von internationalen Flügen ab Mumbai mit bis zu 120 Rollstuhl-Anfragen.
Natürlich steckt hinter vielen Buchungen ein tatsächlicher Bedarf. Gerade ältere Menschen oder Passagiere mit gesundheitlichen Einschränkungen sind an großen Flughäfen auf Unterstützung angewiesen. Die Wege zwischen Check-in, Sicherheitskontrolle und Gate können enorm lang sein.
Doch es gibt offenbar auch Missbrauch. Flughafen-Mitarbeiter berichteten, dass manche Reisende nach Sicherheits- und Passkontrollen plötzlich ohne Rollstuhl weitergingen. In einzelnen Fällen soll das bei einem erheblichen Teil der zuvor betreuten Passagiere passiert sein.
Ein möglicher Anreiz liegt auf der Hand: Der Rollstuhl-Service von Air India ist kostenlos. Wer ihn nutzt, erspart sich lange Fußwege und wird am Flughafen betreut. Genau deshalb wurde bereits über strengere Regeln diskutiert.
Im Raum standen etwa medizinische Nachweise für jüngere Reisende oder zusätzliche Transportmöglichkeiten für ältere Passagiere, die zwar keinen Rollstuhl benötigen, aber Schwierigkeiten mit langen Wegen haben. Für Fluglinien geht es dabei nicht nur um Bequemlichkeit. Werden zu viele Rollstühle unnötig gebucht, fehlen Personal und Hilfe womöglich genau dort, wo sie wirklich gebraucht werden.