Akademikerball: Sogar Glas-Container entfernt

Bild: Daniel Schaler
Anspannung vor dem Akademikerball heute, Freitag, in der Wiener Hofburg. Die Wiener City ist großräumig gesperrt, sogar Glas-Container wurden entfernt.
Der Akademikerball könnte heuer brisanter sein als in den Vorjahren. Vor dem Hintergrund der FPÖ-Regierungsbeteiligung haben heuer mehrere linke Gruppen, darunter die "Offensive gegen Rechts" zum Protest aufgerufen. Weiteren Zulauf könnten die Demos durch den aktuellen Liederbuch-Skandalrund um den freiheitlichen Spitzenkandiaten Udo Landbauer bekommen. Wie berichtet, rechnet die Wiener Polizei mit "deutlich höherer Gewaltbereitschaft" als in den vergangenen Jahren.

Parallel zum Akademikerball finden am Freitag auch die Syrien-Gespräche sowie der Besuch des Präsidenten der Republik Kolumbien, Juan Manuel Santos statt. Viel Arbeit und eine Belastungsprobe für die Wiener Exekutive. Insgesamt werden 3.000 Beamte im Einsatz sein, davon werden 900 Polizisten aus den Bundesländern zur Unterstützung herangezogen.

Drei Demonstrationszüge ziehen durch die City

Als Protest gegen den Akademikerball werden drei Demozüge durch die Wiener Innenstadt ziehen. Der erste startet um 15 Uhr am Wallensteinplatz (Brigittenau) und trifft gegen 16.30 bei der Universität auf eine zweite Gruppe. Ab 17 Uhr wollen die Demonstranten dann gemeinsam über Ring und Zweierlinie bis zum Girardipark (Wieden) marschieren, wo die Abschlussveranstaltung stattfinden wird.

Dort treffen die Aktivisten auf den, von der Sozialistischen Jugend organisierte Demozug. Nach der Abschlussveranstaltung will man gemeinsam über Zweierlinie und Ring zurück bis zum Burgtheater ziehen.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Bei der Polizei rechnet man mit deutlich über 1.000 Teilnehmern. In der City wurden in den letzten Tagen sogar die Container für Glasflaschen und Plastikflaschen entfernt. Die Polizei fürchtete, die Demonstranten könnten die Behälter als "Rammböcke", die Flaschen als Wurfgegenstände verwenden.

"Zeichen gegen Rechtsextremismus und Neofaschismus"

Heuer jähren sich die Proteste gegen den Akademikerball, früher WKR-Ball, zum zehnten Mal. Die Demonstration richtet sich dieses mal nicht nur gegen den Ball selbst, sondern auch gegen die Türkis-Blaue Regierung: "Wir demonstrieren gegen den Burschenschafterball, um nach der Großdemonstration gegen die Schwarz-Blaue Regierung, erneut ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Neofaschismus zu setzen", erklärt Julia Hess von der "Offensive gegen Rechts".

Denn die Regierung habe es erst ermöglicht, dass zahlreiche Rechtsextreme aus dem burschenschaftlichen Milieu hohe Ämter und Posten im Staat besetzen. "Der Rechtsextremismus explodiert in Österreich und alle paar Tage dominieren rassistische und hetzerische Ausfälle der FPÖ die öffentliche Diskussion", unterstreicht Hess.

Platzverbote und großräumige Absperrungen

Wie bereits in den Vorjahren wird es auch ein Platzverbot für den Heldenplatz geben, das mit 17 Uhr in Kraft tritt. Zutritt erhalten nur Ballgäste, Anrainer, Einsatzkräfte und akkreditierte Journalisten.

Wer dem Platzverbot zuwider handelt, begeht eine Verwaltungsubertretung und kann mit bis 500 Euro oder einer Freiheitsstrafe bis zu 2 Wochen bestraft werden.

Direkt von den Demonstrationen betroffen sind abschnittsweise die Ringstraße sowie der Bereich Obere und Untere Augartenstraße und Augartenbrücke. Mit teils erheblichen Verkehrsbehinderungen und Umleitungen des Individualverkehrs ist aber auch auf den jeweiligen Ausweichrouten (etwa der "2er-Linie", der Burggasse, der Neustiftgasse, Rennweg, Prinz-Eugen-Straße, Raum Schwarzenbergplatz und Karlsplatz sowie einzelne Straßenzüge im 20. und 2. Bezirk) zu rechnen.

Eingeschränkter Zugang zu "Carmen"

Auch der Zugang zur Wiener Staatsoper wird ab 16 Uhr nur stark eingeschränkt möglich sein. So wird der Ring ab dem Schwarzenbergplatz ebenfalls ab 16 Uhr gesperrt. Der Zutritt zur Wiener Staatsoper wird nur mit gültiger Eintrittskarte bzw. gültiger Abonnement-/Zyklus-Karte oder einer Bestell- oder Buchungsbestätigung für die Abendvorstellung (Oper Carmen, Beginn: 19 Uhr) gewährt.

Infolge dieser Maßnahmen kann der Zugang zur Abend- bzw. Stehplatzkasse zum Erwerb einer Eintrittskarte, außer bei Vorlage einer Stehplatzberechtigungskarte bzw. eines Stehplatzschecks, nicht mit Sicherheit garantiert werden. Die Polizeiinspektion weist zudem darauf hin, dass ein Lichtbildausweis mitzuführen ist.

Die Wiener Staatsoper bittet ihre Besucher, mit möglicherweise längeren Anfahrtszeiten oder Stau zu rechnen.

Öffis werden umgeleitet

Die Sperren haben auch Auswirkungen auf die Wiener Öffis. Die Buslinien 1A, 2A und 3A werden ab 14 Uhr ganz eingestellt. Ab ca. 16 Uhr werden die Ring-Straßenbahnen 1, 2, 62, 71, D sowie die Badner Bahn werden kurzgeführt oder umgeleitet.

An mehreren Stellen wird es auch zu Polizeisperren und Zutrittskontrollen kommen, so auch im Bereich der U-Bahn-Zugänge.

Der ÖAMTC rät Autofahrern die Wiener Innenstadt großräumig – etwa über den Gürtel – zu umfahren.



Projektion am Heldenplatz

Neben den Demonstrationen finden auch zwei Standkundgebungen statt. Die eine ist eine abschließende Sammlung der Demonstrationen hinter dem Burgtheater.

Die zweite ist eine Gedenkkundgebung des zivilgesellschaftlichen Bündnis "Jetzt Zeichen setzen". Von 19 bis 21 Uhr wird dabei vom Maria-Theresien-Platz aus das Äußere Burgtor beim Heldenplatz mit einem leuchtenden Schriftzug des "Mauthausen Schwurs" erhellt.

Damit wollen die Veranstalter an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee erinnern, die sich am 27. Jänner zum 73. Mal jährt.

Die mögliche Teilnahme von Mitgliedern der österreichischen Bundesregierung am Akademikerball sende "eine katastrophale Botschaft", findet das Bündnis. Mit der Aktion will man daher nicht nur den Opfern des Nationalsozialismus gedenken, sondern auch ein Zeichen gegen die "Normalisierung des Rechtsextremismus" setzen, heißt es in einer Aussendung.

Wirtschaftskammer bietet City-Geschäften Security an

Die Wiener Wirtschaftskammer bietet für Unternehmen auch heuer wieder eigenes Security-Personal zum Schutz ihrer Geschäfte an. Die Sicherheitskräfte stehen ab 17 Uhr an einer zentralen Stelle in der Wiener Innenstadt bereit und sollen für schnelle Hilfe verfügbar sein, im Notfall auch die ganze Nacht.

Im Falle, dass im Zuge der Demonstrationen Auslagen zerstört oder beschädigt werden, können die Shop-Inhaber bei der Hotline unter der Telefonnummer 01/51450 DW 1099 eine Security-Mitarbeiter anfordern, der dann auf das Geschäft aufpasst bis die Auslagen provisorisch gesichert werden können. Die Kosten dafür übernimmt die Kammer.

Die Kosten für die Bewachung werden von der WK Wien

übernommen.

Grafik: Das Gebiet um den Wiener Heldenplatz wird zur Sperrzone (Quelle: LPD Wien)



Grafik: Der erste Demo-Zug startet beim Wallensteinplatz (Quelle: Google Maps)



Grafik: Dort treffen die Teilnehmer bei der Uni Wien auf den zweiten Demozug. Ziel ist beim Girardipark (Quelle: Google Maps)

(lok)

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