Tierschützer beklagen: "Das hält kein Schwein aus!"

Tierschutzaktion vor dem Landwirtschaftsministerium
Tierschutzaktion vor dem LandwirtschaftsministeriumPaul Resetarits
Ein als Schwein verkleideter Aktivist verbringt eine Stunde auf einem Vollspaltenboden, um gegen brutale Tierhaltung zu demonstrieren.

Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat sich eine besonders kreative, aber zugleich schmerzhafte Aktion überlegt, um auf die Qualen hinzuweisen, die bei der am weitesten verbreiteten Haltung von Schweinen an der Tagesordnung stehen. Eine als Schwein kostümierte Aktivistin kniete am Donnerstag Vormittag eine Stunde lang auf einem brettharten Vollspaltboden – neben ihr eine zweite Aktivistin mit blutverschmierten Händen und einer Maske von ÖVP-Politikerin Elisabeth Köstinger. Die Aktion vor dem Arbeitsplatz der Ressortchefin soll die Landwirtschaftsministerin aufrütteln, die Gesetze zu überdenken, durch die laut VGT rund 60 Prozent der österreichischen Schweine auf lebensunwürdigen Untergründen Qualen erleiden müssen.

"Das macht uns alle krank"

Kritik der Aktivisten: Die Mehrheit der österreichischen Schweine – in Zahlen knapp 1,5 Millionen – hätte kein Stroh unter ihren Pfoten und bekomme kein Sonnenlicht ab. Die Tiere leben in Fabrikhallen, die auf automatisierte Massentierhaltung ausgelegt sind, wodurch die händische Arbeit der Landwirten auf ein Minimum reduziert wird. So setzen die Tierhalter statt auf weiches Stroh auf Betonböden mit Spalten, wo Kot und Urin direkt nach unten abgeleitet werden. Die Schweine werden kaum gereinigt und erhalten als vorbeugendes Mittel gegen Wanzen und Kakerlaken starke Antibiotika, die zu ihrer Regelmahlzeit gemischt wird. Die Schweine können mit der Zeit Resistenzen entwickeln und auch für Menschen gefährliche Infektionen bekommen. Umweltmediziner Hans Peter Hutter warnte erst kürzlich nach einer Probenentnahme: "Bei den nachgewiesenen Keimen handelt es sich um wichtige humanpathogene Erreger, die oftmals die Ursache von höchst problematischen Krankenhausinfektionen sind." Gerade in Pandemiezeiten solle uns dieser Umstand zu denken geben, postulieren die Demonstranten.

Politik ist gefordert

Als in den letzten letzten Jahren über eine Reform dieser Art der Tierhaltung im Parlament abgestimmt wurde, votierten ÖVP und FPÖ dagegen, zuletzt 2019. Eine Reform wurde für 2020 angekündigt, die coronabedingt aber noch immer nicht im Hohen Haus vorliegt. Wie in vielen politischen Themen könnte es bei einem der grünen Paradethemen, dem Tierschutz, zu einer internen Zerreißprobe der Ökos kommen, aufgrund des vom Regierungspartner ausgehenden Drucks.

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