AKW Mochovce "ist eine tickende Zeitbombe"

Beim AKW Mochovce seien massive Sicherheitsmängel festgestellt worden. Umweltschützer fordern den Baustopp für das slowakische Atomkraftwerk.

Vor der Inbetriebnahme von zwei Reaktorblöcken im umstrittenen slowakischen AKW Mochovce, rund 120 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, schlagen Umweltschützer Alarm. Global 2000 fordert den Abbruch des Verfahrens. Die "technisch veralteten" Reaktorblöcke, mit deren Bau bereits 1985 vor 33 Jahren begonnen wurde, sollen kommendes Jahr in Betrieb gehen.

"Wir müssen feststellen, dass es bei dem Weiterbau der völlig veralteten Blöcke 3 und 4 in Mochovce zu massiven technischen Problemen kommt, die die slowakische Nuklearaufsicht nur teilweise und zögerlich aufklärt", so Dr. Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher von GLOBAL 2000, in einer Aussendung. Demnach habe auch ein Maschinenbau-Ingenieur Sicherheitsbedenken geäußert. "Ein Maschinenbau-Ingenieur ist in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit getreten und hat Sicherheitsbedenken geäußert, Fotomaterial wurde veröffentlicht, das fehlerhafte Bauarbeiten dokumentiert", so Uhrig.

Pfusch am Bau

Die österreichische Umweltschutzorganisation berichtet von "Pfusch am Bau". Ein ehemaliger slowakischer Maschinenbauingenieur, der für die Notstrom-Dieselgeneratoren zuständig war, sprach demnach von systematischen Fehlern und Vertuschungen der bauleitenden Manager des italienischen Konzerns Enel, die sich "wie Kinder in Schwierigkeiten" verhielten, da sie von der Konzernleitung den Auftrag hatten, die Anlage so schnell wie möglich fertigzustellen – unabhängig davon, ob es technische Probleme gab.

"Die vorgelegten Unterlagen, zusammen mit den bekannt gewordenen technischen Skandalen, sind unzureichend: Die Bedingungen der Umweltverträglichkeitsprüfung von 2010 für die Inbetriebnahme der Reaktoren 3 und 4 im AKW Mochovce wurden nicht erfüllt", sagt Uhrig. "Wir fordern eine Durchführung einer neuen UVP auf technisch aktuellem Stand und einen Abbruch des Inbetriebnahmeverfahrens. Ein solches Atomkraftwerk darf nicht in Betrieb genommen werden, es wäre für Mitteleuropa eine tickende Zeitbombe!"

AKW Mochovce:
Über den Bau den Kernkraftwerks, das nahe dem slowakischen Dorf Mochovce zwischen den Städten Nitra und Levice rund 120 Kilometer von Bratislava entfernt liegt, wurde von der damaligen tschechoslowakischen Regierung 1978 entschieden. Der Bau begann 1985.

Das Kernkraftwerk besteht aus zwei in Betrieb befindlichen Blöcken mit einer Leistung von jeweils rund 440 MW, sowie zwei in Bau befindlichen Blöcken.

Am 5. März 1993 wurde am gesamten Kernkraftwerk ein Baustopp angeordnet, der alle vier Blöcke betraf. Der Bau von Block 1 und 2 wurde am 14. Mai 1996 reaktiviert, der Bau von Block 3 und 4 am 11. Juni 2009.

Für 2019 ist die Inbetriebnahme der beiden weiteren Reaktoren geplant.

Das sind laut Global 2000 die Sicherheitsprobleme, die ignoriert würden:

>>> Fundamental ist, dass eine Umweltverträglichkeitserklärung aus dem Jahre 2008 die Basis für das Verfahren sei – diese sei völlig veraltet und durch die Fukushima-Katastrophe und die nachfolgenden Sicherheits-Upgrades überholt.

>>> Auslegung auf Flugzeugabsturz: Es würde weiterhin nur die Widerstandsfähigkeit der Reaktoren gegen den Absturz eines "kleinen Flugzeuges", also eines Sportflugzeugs, untersucht – in anderen Ländern wie Tschechien oder Deutschland muss zumindest der Sicherheitsnachweis gegen einen absichtlichen oder zufälligen Absturz eines mittleren Verkehrsflugzeuges erbracht werden, auch wenn vermutlich keine Nuklearanlage den Absturz der aktuell größten Flugzeugtypen aushalten würde.

>>> Kühlwasser: Bereits die veralteten vorgelegten Unterlagen würden einen Rückgang der Wasserführung des kleinen Flusses Hron um 20 Prozent in den Jahren 1980 bis 2000 angeben – seither sind fast weitere zwanzig Jahre vergangen, durch den fortschreitenden Klimawandel und die Temperatursteigerungen sei mit einer weiteren Änderung der Wasserführung zu rechnen.

Schlimmer noch sei, dass bereits in den Jahren 1970 bis 1982 am Staudamm Velke Kozmalovce, aus dem die vier AKW-Blöcke das Kühlwasser entnehmen, Temperaturen über 24 Grad Celsius gemessen worden seien. Im Zuge der Klimaerwärmung würden diese Temperaturen noch steigen und die für die Kühlfähigkeit der Anlage kritischen Werte möglicherweise überschritten – dazu fänden sich keine Angaben in den veralteten Unterlagen.

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(red)

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