Handy vorhalten und Kunst zum Leben erwecken

Direktor Klaus Albrecht Schröder entführt mithilfe der neuen App in Pablo Picassos
Direktor Klaus Albrecht Schröder entführt mithilfe der neuen App in Pablo Picassos "Mittelmeerlandschaft"
Ob irrwandelnde Tote oder abdampfende Geliebte – Kunst erzählt oft mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich. Die "Artivive App" entlockt Bildern (fast) alle Geheimnisse.
Wussten Sie, dass durch Paul Delvaux' "Landschaft mit Laternen" Tote irrwandeln? Das dass bedrohlich grinsenden Getier in Joan Mirós "Vögel und Insekten" ein Symbol für Francos Schreckensherrschhaft ist und dass Pablo Picassos männlicher Stolz in "Mittelmeerlandschaft" so richtig baden geht? Vermutlich nicht.

Schröder: "App ist Einstiegsdroge für die Kunst"

Erlebbar macht diesen zusätzlichen Kunstgenuss die Gratis-App des Wiener Start-up "Artivive", die erstmals in einem europäischen Museum (vorerst) 13 Werke mittels Animationen, Videos und Akustik-Info in eine neue Dimension hebt. "Die App ist die Einstiegsdroge für die Kunst. Eine Brücke, die die Menschen von der lauten, schnellen Welt in unser Reich der Konzentration bringt", erklärt Albertina-Hausherr Klaus Albrecht Schröder im "Heute"-Talk. "Sie greift Details heraus, fügt Wissen hinzu, erläutert. Sie ist informativ, edukativ – und manchmal einfach nur witzig. Sie holt und ab und führt ans Ziel. Und das ist am Ende immer das Bild, in dem sich der Besucher ganz alleine verliert."



Rechtesituation ist größte Herausforderung

Für den Augmented-Reality-Rundgang sei er sofort Feuer und Flamme gewesen – und das, obwohl er zum eigenen Handy eine On-Off-Beziehung unterhält: „Ich kann gut und gerne zwei Tage darauf verzichten, aber ich weiß, dass das für viele Menschen eine Belastung darstellen würde. Und wenn wir ihnen auf diese Weise helfen können, diese einmalige Erfahrung des Erlebens von Kunst zu machen, tun wir das. Das ist unsere Aufgabe. Deshalb habe ich sofort zugesagt, als uns das Projekt angeboten wurde." Die größte Herausforderung stellt übrigens die Rechtesituation, und da vor allem bei wechselnden Ausstellungen, dar. "Deshalb ist es wenigstens für den Beginn so geplant, die Aktion nur für Werke der Schausammlungen anzuwenden."

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Das 2017 gegründete Wiener Start-up hat neben Kooperationen mit der Albertina bereits Projekte mit der Kunstplattform ARCC.art, dem Himalaya Museum in Shanghai und dem MIT (Masschusetts Institute of Technology) in Boston realisiert: "Wir möchten mit unserem Tool eine neue Dimension der Kunst eröffnen und Künstlern, Museen und Galerien die Möglichkeit geben, analoge und digitale Kunst zu verbinden." Getestet wurde das Projekt übrigens an Filmstills – mehr als 1.000 User in zwei Wochen gaben der Idee Aufwind.

Vier weitere Sprachen und noch mehr Bilder

Die App wird nun Schritt für Schritt erweitert, geplant sind nach deutsch und englisch auch vier weitere Sprachen. Das Tool funktioniert nur in der Albertina und nur mit Kopfhörern – die Stille soll auch künftig das einzige laute Geräusch im Kunsttempel bleiben. Schröder: "Ich vermute, dass diese App den Audioguide irgendwann überflüssig machen wird."

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