Aliyev: Geheimdienst tarnte sich als Witwenverein

Die Justiz hält den Verein "Tagdyr" der angeblichen Opfer von Rakhat Aliyev für eine Tarnorganisation des kasachischen Geheimdienstes. Oberlandesgericht und Staatsanwaltschaft sind sich in der Sache einig. Ihrer Ansicht nach zahlte "Tagdyr" der Wiener Anwaltskanzlei Lansky zwischen 2009 und 2012 gut 14 Millionen Euro, um gegen Aliyev vorzugehen.
Die Justiz hält den Verein "Tagdyr" der angeblichen Opfer von für eine Tarnorganisation des kasachischen Geheimdienstes. Oberlandesgericht und Staatsanwaltschaft sind sich in der Sache einig. Ihrer Ansicht nach zahlte "Tagdyr" der Wiener Anwaltskanzlei Lansky zwischen 2009 und 2012 gut 14 Millionen Euro, um gegen Aliyev vorzugehen.

Das Nachrichtenmagazin "Profil online" berichtet das. Die Behörden ermitteln seit März 2013 gegen Lansky wegen des Verdachts auf Unterstützung eines ausländischen Geheimdienstes zum Nachteil Österreichs. 

Lansky vertritt Witwen der Opfer

Der Wiener Anwalt Lansky ist eine Schlüsselfigur in der Affäre um den kasachischen Ex-Botschafter und früheren Präsidenten-Schwiegersohn Aliyev (nach seiner Hochzeit Rakhat Shoraz). Lansky vertritt einen Verband der Witwen von kasachischen Bankmanagern, deren Ehemänner angeblich auf das Geheiß Aliyevs getötet worden sein sollen. Der Ex-Botschafter wurde 2008 deswegen in seiner Heimat verurteilt, entzog sich aber der Justiz und lebte eine Zeit lang in Österreich.

Tagdyr hat auffällig viel Geld

Aliyev, der sich in Wien in U-Haft befindet, weist die Vorwürfe gegen ihn zurück und bezeichnet sich als Opfer politischer Verfolgung. Als Erfüllungsgehilfe Kasachstans dient seiner Meinung nach Lansky. Die Ansicht wird offenbar von der Justiz geteilt. Im Beschluss des Oberlandesgerichtes Wien heißt es: "Die Einschätzung, wonach es sich beim Fonds 'Tagdyr' zwar offiziell um eine Unterstützung der Witwen zweier Mordopfer, tatsächlich jedoch um eine Tarnorganisation des kasachischen Geheimdienstes handelt, konnte das Erstgericht aus der Gesamtheit des derzeit vorliegenden Aktenmaterials ableiten. Diese wird durch die Umstände erhärtet, dass dieser Fonds über erhebliche Geldmittel verfügt."

Um die Vermutung zu bestätigen, griff die Polizei zu investigativen Mitteln. Über eine russische Dolmetscherin wurde bei "Tagdyr" nach einer Möglichkeit gefragt, Geld zu spenden. Das "Desinteresse" daran zeige aber, dass sich der Verein aus anderer Quelle finanziere, schloss das Gericht.

Für die Vorwürfe gegen Lansky sieht das Gericht hingegen keine ausreichenden Belege. Für "Informationsbeschaffung und -weitergabe" Lanskys an den Geheimdienst KNB fehlt es an "Aktensubstrat".

"Ablenkung und Mutmaßungen"

Die Kanzlei ihrerseits bezeichnet die Darstellung als eine "Ablenkung" vom Mordverfahren gegen Aliyev und eine Diffamierung der Opfer. Die Angaben beruhten auf "Mutmaßungen des Mitstreiters Aliyevs, des ehemaligen KNB-Vorsitzenden Alnur Mussayev", so die Juristen.

 
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