Allein daheim, aber nie sind wir so ganz allein

"Heute"-Redakteurin Sandra Kartik über die Corona-Zwangspause für Eltern
"Heute"-Redakteurin Sandra Kartik über die Corona-Zwangspause für ElternBild: heute.at
"Heute"-Redakteurin Sandra Kartik über die Corona-Zwangspause für Eltern.
Noch vor dem ersten Kaffee zeigt sich in aller Deutlichkeit: Montage machen auch vor dem Home-Office nicht halt. Das Internet daheim fällt temporär aus und mein Sohn weint, weil er nicht lernen will, sondern viel lieber Lego spielen. "Muss ich jetzt jeden Tag mit den allernervigsten Sachen beginnen?", ist er außer sich. Seine morgendliche Nemesis sind das ohnehin lästige Zähneputzen sowie erzwungenes Lesen, Schreiben und Rechnen üben. Was wir Erwachsene lieber gleich "hinter uns bringen wollen", fühlt sich für viele Kinder jetzt eher so an, wie einen Sonntagmorgen statt gemütlich beim Zahnarzt zu beginnen. Richtig unangenehm!

Eingeschränkte Diplomatie

Ich will ehrlich sein: Der Gefühlsausbruch meines Kindes hat auch stark mit meinen derzeit eher eingeschränkten diplomatischen Fähigkeiten zu tun. Gelassenheit überlasse ich offenbar anderen. Meinem Mann zum Beispiel (danke dafür und überhaupt!). Einatmen, ausatmen, sich freuen, dass man gesund ist und Arbeit hat. Sich in die Sonne setzen oder kurz aufs Rad steigen (mit extremem Sicherheitsabstand natürlich). Ja, das alles hilft schon. Und versuchen zu genießen, dass man sonst nie untertags zu dritt gemeinsam daheim ist, an einem Montag im Frühling.

Wobei, einfach ist es nicht. Meine besten Freundinnen arbeiten mit einem Wochenplan, das akzeptieren die Kids. Jeder Tag ist gut durchstrukturiert. So geht sich alles halbwegs aus, also zumindest das Wichtigste. Und die Kleinen akzeptieren den Stundenplan, er erinnert sie an Schul-Normalität. Ich sollte mir ein Beispiel an ihnen nehmen, ich war immer schon diejenige von uns, die Vorplanen am wenigstens mochte (und konnte). Aber – das merken wir jetzt schon in dieser Corona-Ausnahmesituation: Man wächst mit seinen Aufgaben. Wie übrigens auch die Leber. Denn der Afterwork-Drink kann sich nun mitunter schon in den früheren Nachmittag ziehen, das ist nicht gänzlich auszuschließen.

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Wir haben zu Hause umgestellt, um "ungestört" arbeiten zu können. Zwischen dem Wäscheständer, der alten Couch, an der mein Mann so hängt, und allen Unterlagen, die auszusortieren wir jetzt wohl endlich Zeit haben werden, campiere ich zum Schreiben. Ich vermisse meine Kollegen schon ein bisschen. Aber ich mag es auch, in Jogginghosen zu arbeiten. Schminken muss man sich jetzt auch nicht mehr, außer man hat abends noch was vor: nämlich mit dem Partner auf der Couch über unser aller derzeit verrücktes Leben zu sinnieren. Oder am Telefon mit seinen Eltern reden, die man so gerne spontan besuchen würde. Ich bin trotzdem dankbar, nicht nur für Netflix, sondern für unsere Gesundheit.

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