Allendes "Geisterhaus" geht in Wien die Puste aus

"Das Geisterhaus" von Isabel Allende beschreibt 50 Jahre im Leben einer chilenischen Familie. Das hat Regisseur Antu Romero Nunes versucht, im Akademietheater auf die Bühne zu bringen. Das Ergebnis dauerert dreieinhalb Stunden - und kommt, wenig verwunderlich, nicht annähernd an die geniale Filmversion heran.
"Das Geisterhaus" von Isabel Allende beschreibt 50 Jahre im Leben einer chilenischen Familie. Das hat Regisseur Antu Romero Nunes versucht, im Akademietheater auf die Bühne zu bringen. Das Ergebnis dauerte dreieinhalb Stunden - und kommt, wenig verwunderlich, nicht annähernd an die geniale Filmversion heran.

August Diehl und ein geniales Frauensextett stinken leider auf der Bühne gegen Jeremy Irons, Meryl Streep und Glenn Close aus der Kinoversion von 1993 ab.

Blutleer und emotionslos

Die Bühne ist leer und kühl, die Vorgeschichte wird zu Beginn von einem Frauen-Sextett (Jasna Fritzi Bauer, Sabine Haupt, Dörte Lyssewski, Caroline Peters, Aenne Schwarz und Adina Vetter) erzählt. Die Frauen sind toll. Die Geschichte ist kompliziert und führt durch verschiedene Generationen. Dabei kann man schon einmal den Faden verlieren.

Untermalt wird die Geschichte mit mitunter nervendem begleitenden Gitarrenspiel (Sergio Pinto), Elementen der Pantomime und des Schwarzen Theaters. Trotzdem kommen kaum Gefühle auf.

Diehl als vergewaltigender Familien-Diktator? Nein, danke!

August Diehl ist als Patron Esteban fehlbesetzt. Er ist ein feinnerviger Kopfspieler, ein idealer Hamlet und ein toller Prinz von Homburg - aber kein polternder, brutaler, jähzorniger und selbstgerechter südamerikanischer Gutsherr, der reihenweise junge Angestellte vergewaltigt und auch sonst ein Schreckensregime führt.

Diel als Folterknecht? Ja, bitte!

Diehl spielt auch noch den Folterknecht Esteban Garcia - dabei ist er um vieles glaubwürdiger. Die Konfrontation von Alba (Jasna Fritzi Bauer), der Enkelin Estebans, mit diesem Sohn einer einst von ihrem Großvater vergewaltigten Arbeiterin in den Folterkellern des neuen Regimes lässt das Publikum den Atem anhalten. Hier ist man hautnah dabei, im Zentrum der Tragödie.

Nach der Pause geht das Stück weit besser weiter. Die neue Generation, die statt auf die Uni zu gehen Sartre studiert, mit der Revolution sympathisiert, um Oma Clara zittert und den gebrechlich gewordenen alten Patriarchen Esteban nur noch unwillig erträgt, scheint uns deutlich näher zu sein. Das Scheitern ihrer Hoffnungen im endlosen Mahlstrom von Schmerz, Blut und Liebe geht uns am Ende doch ans Herz. Der Schlussmonolog gehört dem im Rollstuhl sitzenden alten Esteban, der als Senator aufs falsche Pferd gesetzt hat und nun die neuen Machthaber anfleht: "Haben Sie Erbarmen mit mir, ich bin ein armer schwacher Mann, haben Sie Mitleid und suchen Sie meine Enkelin Alba, ehe sie sie mir stückchenweise per Post schicken."

Isabel Allende: "Das Geisterhaus"

Akademietheater

Regie: Antu Romero Nunes

Mit Jasna Fritzi Bauer, Sabine Haupt, Dörte Lyssewski, Caroline Peters, Aenne Schwarz, Adina Vetter, August Diehl, Ignaz Kirchner

Nächste Vorstellungen: 14., 19., 27., 28.2.

Karten: 01 / 513 1 513

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