Auch alte Lawinen sind jetzt eine tödliche Gefahr

Eine bereits im Winter abgegangene Lawine ist jetzt für eine Rinderherde zur Todesfalle geworden. Ihre Besitzerin und die Bergrettung warnen jetzt vor der Gefahr.
Das Bergidyll von Biobäuerin Christa Schörkmaier in den Rottenmanner Tauern verwandelte sich am Samstag in einen Albtraum. Als sie gemeinsam mit ihrer Schwester nach ihren Rindern auf der Alm sehen wollte, fehlte plötzlich von der halben Herde jede Spur.

Plötzlich habe ihre Schwester aufgeschrien: "Da liegt ein Vieh im Schnee! Da liegt noch ein Vieh im Schnee!", berichtet die "Kleine Zeitung". Acht der zwanzig Rinder, darunter auch Kälber und eine hochträchtige Mutterkuh, waren unter Geröll, Eis und Schnee einer bereits im Winter abgegangenen Lawine begraben.

Die Tiere, die wegen der Schneemassen des Winters erst eine Woche zuvor auf die Alm getrieben worden waren, hatten wohl wegen der Hitze und den lästigen Insekten Abkühlung auf dem Altschneefeld gesucht.

"Die Sprache der Natur ist laut"

Gemeinsam mit der Bergrettung Rottenmann konnten in einer mühsamen Rettungsaktion vier der Tiere lebend befreit werden. Doch schließlich mussten drei von ihnen wegen ihrer schweren Verletzungen notgeschlachtet werden.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Während der Bergemaßnahmen musste Schörkmaier erleben, wie "Wanderer über die Lawine gingen, wo wir unten die Tiere rausgezogen haben". Deshalb will die Biobäuerin aus Oppenberg (Bezirk Liezen) jetzt bei Besuchern und anderen Landwirten ein Bewusstsein für die Gefahr in unseren Bergen schaffen: "Die Sprache der Natur ist laut und wird oft unterschätzt."

Lebensgefahr auf Altschneefeldern

Einerseits habe sie "in fast 55 Jahren noch nie so viel Schnee und so viele Lawinen in ihrem Almbereich erlebt", andererseits "haben wir in den Bergen aktuell eine nie dagewesene Hitze", klagt die Bäuerin über die Auswirkungen des Klimawandels, die "uns ständig in neue Situationen bringen".

Auch die steirische Bergrettung warnt vor den Altschneefeldern. Eine sichere Begehung sei nur mit geeigneter Ausrüstung – Steigeisen, Grödel, Pickel – möglich. Die Gefahr sei oft nicht ersichtlich. So können sich etwa durch Unterspülungen lebensgefährliche Schneebrücken bilden, die das Gewicht eines Menschen nicht tragen können. Darum appellieren die Retter an alle Wanderer: "Wer sich nicht sicher ist oder keine entsprechende Ausrüstung mit sich führt, sollte vor Schneefeldern lieber umkehren."

(rcp)

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