Mit moderner Lasertechnik, die selbst dichte Baumkronen durchdringen kann, haben Wissenschaftler der Universität Helsinki insgesamt 432 Erdwerke einer längst vergessenen Zivilisation im Amazonasgebiet entdeckt. 396 dieser Bauwerke waren der Forschung bisher völlig unbekannt.
Die geometrischen Strukturen befinden sich im heutigen Brasilien, unweit der Grenze zu Bolivien und Peru am Oberlauf des Rio Purus. Die Forscher scannten eine Fläche von fast 4.500 Quadratkilometern.
Laut Spektrum der Wissenschaft könnten hochgerechnet auf das gesamte Siedlungsgebiet bis zu 30.000 solcher Erdwerke allein im südwestlichen Amazonasgebiet existieren. Diese Zahl hatte man zuvor für ganz Amazonien angenommen.
Die Wissenschaftler schätzen, dass rund 1,25 bis 3 Millionen Menschen in der untersuchten Region gelebt haben dürften. Diese Entdeckungen haben die Vorstellungen der Fachwelt von der menschlichen Besiedlung des tropischen Südamerikas fundamental verändert.
Die Erbauer werden von den Forschern als "Aquiry-Zivilisation" bezeichnet. Den Höhepunkt dieser Kultur datieren die Wissenschaftler auf die Zeit vom 2. bis zum 4. Jahrhundert. Die geometrisch geformten Erdwerke wurden vermutlich bei zeremoniellen oder politischen Versammlungen genutzt.
Dass die indigene Besiedlung Amazoniens sich in den vergangenen Jahrhunderten auf kleine Gruppen beschränkte, führen Experten auf eingeschleppte Krankheiten der Europäer zurück. Sie dezimierten die Einwohnerschaft und zwangen sie, ihre kulturellen Zentren aufzugeben.