Österreich

Amokfahrer lässt Mordprozess eskalieren

Heute Redaktion
14.09.2021, 13:15

Ungläubigkeit am dritten Prozesstag gegen den Grazer Amokfahrer Alen R. Der mit einem Intelligenzquotienten von 132 hochbegabte Angeklagte lauschte weiterhin emotionslos den Zeugen- und Opferschilderungen der Amokfahrt mit drei Toten und mehr als 100 Verletzten. Was selbst das Gericht schockierte: R., der die Strecke der Amokfahrt mehrmals monatlich abfuhr und in der Nähe arbeitete, gab als Grund für die Wahnsinns-Fahrt an, sich in den Grazer Straßen nicht ausgekannt zu haben. Der Prozess eskalierte.

Ungläubigkeit am dritten Prozesstag gegen Der mit einem Intelligenzquotienten von 132 hochbegabte Angeklagte lauschte weiterhin emotionslos den Zeugen- und Opferschilderungen der Amokfahrt mit drei Toten und mehr als 100 Verletzten. Was selbst das Gericht schockierte: R., der die Strecke der Amokfahrt mehrmals monatlich abfuhr und in der Nähe arbeitete, gab als Grund für die Wahnsinns-Fahrt an, sich in den Grazer Straßen nicht ausgekannt zu haben. Der Prozess eskalierte.

Gleich mehrere Zeugen schilderten am Donnerstag im Gerichtssaal, wie sie die Fahrt miterlebt hatten beziehungsweise selbst vom Amokfahrer verletzt wurden. Eine Frau erzählte unter Tränen, wie sie "fürchterliches Geschrei" gehört hatte, das sie ihr Leben lang nicht mehr vergessen werde. Einig waren sich die Zeugen darin: Gebremst habe der Lenker des Wagens nicht ein Mal.

Auch der Amokfahrer kam erstmals öfter zu Wort, als ihn Verteidigung, Anklage und Richter zu den Geschehnissen befragte. Warum er die gewählte Strecke eigentlich fahren wollte, daran "kann ich mich nicht erinnern". Ebenso wenig, dass er in eine Fußgängerzone gefahren sei beziehungsweise es dort überhaupt eine Fußgängerzone gibt. Dutzende Fragen beantwortete R. damit, sich nicht erinnern zu können.

Richter verlor die Fassung

Schließlich die Eskalation: Der Richter schrie den Angeklagten an, ob er gemerkt habe, dass er sich in einer Fußgängerzone befinde, als "die Menschen über die Motorhaube geflogen sind". Auch der Verteidigerin reichte es: "Nehmen Sie das Mikrofon endlich zum Mund, antworten Sie!". Wie ein Gutachter betonte, verfügt R. über einen IQ von 132. Nicht verständlich sei deswegen, warum der Lenker, der angab, vor einer "Gefahr" geflüchtet zu sein, den Wagen wendete und wieder auf die eingebildete Gefahr zugefahren sei. 

Immer weiter verstrickte sich der Amokfahrer in Widersprüche - er habe "nicht aussteigen können", so R. zu der Frage. Später stieg er allerdings aus, soll auf Passanten mit einem Messer eingestochen haben - "Ich hörte Schüsse", so sein Grund. Sichtlich deprimiert zeigte sich der Richter bei weiteren Nachfragen, wurde laut "ORF" gar spöttisch: "Wissen Sie, was witzig ist? Sie konnten an dem Tag aufstehen, frühstücken, das Auto des Vaters ausborgen, Geld vom Bankomat abheben, nach Graz fahren, um eine Frau zu treffen. Aber, wenn es ums Eingemachte geht, dann können Sie sich nicht erinnern?"

Lesen Sie weiter: der Intelligenzquotient

Der Intelligenzquotient (IQ) ist laut Wikpedia eine durch einen Intelligenztest ermittelte Kenngröße zur Bewertung des intellektuellen Leistungsvermögens im Allgemeinen (allgemeine Intelligenz) oder innerhalb eines bestimmten Bereichs (z. B. Faktoren der Intelligenz) im Vergleich zu einer Referenzgruppe. 

Die Berechnung für den Quotienten lautet: IQ= Intelligenzalter geteilt durch Lebensalter x 100. 

Bei den heutigen Tests, die eine IQ-Norm verwenden, wird anhand der Verteilung der Testergebnisse einer Stichprobe der Normwert unter Annahme einer Normalverteilung der Intelligenz meist durch Normalrangtransformation ermittelt und in eine Skala mit dem Mittelwert 100 und der Standardabweichung 15 umgerechnet. Entsprechend einer Normalverteilung liegen rund 68 % der Personen dieser Referenzgruppe einen IQ im sogenannten Mittelbereich zwischen 85 und 115.

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