Analyse: So bewertet der Werbeprofi die Wahlplakate

Der Wahlkampf in Niederösterreich geht in den Endspurt. "Heute" nahm die Plakatkampagnen mit dem Werbe-Experten Fritz Gillinger von "LWmedia" unter die Lupe.

Ob Schwarz, Rot, Blau, Grün oder Pink – sie stehen derzeit überall in NÖ: die Plakate für die Landtagswahl. Doch wie gut sind die Kampagnen der einzelnen Parteien überhaupt durchdacht? Und: Was wollen sie vermitteln?

"Heute" bat Werbeprofi Fritz Gillinger von der Agentur "LWmedia" aus Krems um seine Meinung.

ÖVP Niederösterreich

"Die Positionierung heißt in etwa: Ich bin Okay, du bist Okay, Niederösterreich ist Okay. Und was nicht Okay ist, das werden wir Okay machen. Miteinander. Und zwar NUR miteinander! VERSTANDEN? Unsere Landeswahlhauptmutterfrau zeigt uns eindrücklich, wo die Mikl die Stimmen holt: bei den Menschen. Es menschelt unheimlich auf den Plakaten", analysiert Gillinger.

Benotung: Optik – "Gut. Nicht neu, aber eben gut"; Inhalt – "Gut. Die Optik stimmt mit den Botschaften überein"

Die Kampagnen im Ranking

Platz 1: ÖVP (Gesamtnote: Gut)
ex aequo mit
Platz 1: SPÖ (Gesamtnote: Gut)
Platz 2: Die Grünen (Gesamtnote: Befriedigend)
Platz 3: FPÖ (Gesamtnote: Schlechtes Befriegidend)
Platz 4: Neos (Gesamtnote: Genügend)

SPÖ Niederösterreich

"Das nenn' ich Plakate: echte Hingucker, bildstark, knappe Headlines, witzig. Also erste Aufgabe – "Aufmerksamkeit erzielen, den Kandidaten bekannt machen" – erledigt! Jetzt kennen wir also das Gesicht von ... äh, wie war der Name? Franz? Oder Vranz? Vranz Zweitemeinung? Wir kennen doch nicht mal seine erste!", scherzt Gillinger.

Und weiters: "Und warum SPÖ? Weil es Zeit ist für Noe. Ach so! Zeit für witzige Bärte, rüstiges Gehopse und SPÖ-Kandidaten, die vom Spitzenkandidaten – kicher, kicher – lustige Ohrwascheln an den Hinterkopf bekommen? Naja, wenn die SPNÖ meint ..."

Benotung: Optik – "Sehr gut. Nicht neu, aber gut"; Inhalt – "Befriedigend. Das Gesicht wurde bekannt, welcher Name und welche Inhalte dahinter stehen, weniger."

FPÖ Niederösterreich

"Eine Mischung aus Nostradamus und Batman: Das Unheil wird mit furchterregenden Schlagzeilen – Gewalt, Sex-Attacken, Kriminalität, Zwei-Klassen-Medizin – an die Wand gemalt. Im rechten Eck – tut mir leid, aber es steht dort – blitzt als einziger Hoffnungsschimmer der FPÖ-Schriftzug hervor", analysiert Gillinger die Plakate von Udo Landbauer's Blauen.

Er bilanziert: "Botschaft: Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher frohlocket – Batman Udo, die 'neue Kraft für unsere Heimat', rettet 'Gotham City-Niederösterreich' vor dem Untergang."

Benotung: Optik – "Befriedigend. Es ist von den Vorgängern abgeschrieben"; Inhalt – "Genügend. Kickl hat wohl keine Zeit mehr zu reimen."

Die Grünen Niederösterreich

"Man setzt auf klassische Themen – Öffi-Ticket und Bio-Nahrung – und auf Kontrollfunktion. Ersteres ist lobenswert und grüne Logik, Erfolgsgarant war's in letzter Zeit aber nicht. Und 'Kontrolle' klingt gut, bleibt aber nur die Frage, ob die Wähler wirklich der Helga zutrauen, der Johanna auf die Finger zu schauen oder vielleicht doch eher dem Udo oder der Indra", schmunzelt der Profi.

Benotung: Optik – "Befriedigend. Gääähn, hatten wir schon oft."; Inhalt – "Befriedigend. Gääähn, hatten wir schon oft."

Neos Niederösterreich

"Schade. Als neue, frische Partei hätte man von den Neos auch eine neue, frische Plakatkampagne erwarten können. Die Sujets wirken aber uninspiriert. Eher wie Werbung für einen Master-Lehrgang an der Fachhochschule für ... ja, wofür eigentlich? Für Kontrolle und Freiheit? Plakattaugliche Kandidatin, die bessere Inszenierung verdient hätte", zieht Gillinger Bilanz.

Benotung: Optik – "Genügend. Emotionslose Beliebigkeit."; Inhalt – "Genügend. Asynchronität von Botschaft und Bild."

I. Nittner

(nit)

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