Angeklagter verrät nicht, an wen er 400.000  zahlte

Der Telekom-Prozess ist um ein Mysterium reicher. Der angeklagte Broker Johann Wanovits räumte am Mittwoch, dem dritten Verhandlungstag ein, dass er die 600.000 Euro, die er in bar von der Telekom erhalten hatte, nicht zur Gänze behielt. 400.000 Euro wanderten - ebenfalls bar - an einen "Vertragspartner", bei dem sich Wanovits nach Eigenangaben gegen Kursverluste bei dem angeklagten Telekom-Deal abgesichert hat.

Der Telekom-Prozess ist um ein Mysterium reicher. Der angeklagte Broker Johann Wanovits räumte am Mittwoch, dem dritten Verhandlungstag ein, dass er die, nicht zur Gänze behielt. 400.000 Euro wanderten - ebenfalls bar - an einen "Vertragspartner", bei dem sich Wanovits nach Eigenangaben gegen Kursverluste bei dem angeklagten Telekom-Deal abgesichert hat.

Wer dieser Partner ist, wollte er nicht nennen, Aufzeichnungen über die Geldweitergabe gäbe es nicht. Mit Verweis auf etwaige steuerrechtliche Vergehen gab sich Wanovits zu weiteren Fragen zu dem 400.000-Euro-Deal eher schweigsam. Das Risiko des Aktiendeals habe im Übrigen nicht er, sondern die Bank getragen.

"Schau ma mal"

Wanovits bestätige, dass er mit dem erstangeklagten Ex-Telekom-Festnetzchef Rudolf Fischer im Jahr 2008 telefoniert habe, weil noch Zahlungen an ihn ausständig waren. Fischer habe ihn vertröstet und gemeint "schau ma mal". "Eine typisch wienerische Antwort", meinte der Staatsanwalt.

Vertreter der Telekom witzelt über  10.000-Nachazahlung

600.000 Euro erhielt Wanovits über Telekom-Bereichsleiter Gernot Schieszler von der Telekom in bar, 390.000 bekam er vom Lobbyisten Peter Hochegger für diverse "Studien". Von der insgesamt eine Million Euro, die ihm der Aktienkauf zur Kurspflege neben dem Aktiengewinn gebracht hätte, würden also bis dato 10.000 Euro fehlen. "Moralisch" schulde ihm die Telekom noch 10.000 Euro. Der Vertreter der Telekom Austria, die sich als Privatbeteiligter dem Prozess angeschlossen hat, bot Wanovits daraufhin spaßhalber an, bei der Telekom wegen dem Verbleib des Geldes nachzufragen.

Barzahlung war nie vereinbart

Wanovits erklärte, dass es zu den erhofften weiteren "normalen" Geschäftsbeziehungen weder mit der Telekom noch mit deren Lobbyisten Hochegger gekommen sei. Unterschiedliche Angaben machte er zu den geplanten Gegengeschäften. Laut Vernehmungsprotokollen soll er diese erst nach Ablauf des Optionenprogramms vereinbart haben, heute sprach er davon, dass diese von Haus aus eingeplant waren. "Von einer Barzahlung war nie die Rede, das war sicher so nicht vereinbart", betonte Wanovits.

"Warum soll ich sie mit einer Rechnung ärgern"

"Ich habe immer noch gehofft, zu einem späteren Zeitpunkt für die Telekom tätig zu werden. Warum soll ich sie mit einer Rechnung ärgern, wenn das nicht gewünscht ist?", verteidigte Wanovits die Bargeldtransaktion ohne Rechnung und Quittung. Gefragt zur Rechtsgrundlage für die 600.000 Euro Bargeld formulierte er umständlich: "Das war für mich die Abgeltung einer Zusage der Telekom, weil die Gegengeschäfte nicht möglich waren. Die Leistung war sicherlich, dass ich Aktien gekauft habe, dass ich hier ein Risiko eingegangen bin." Andererseits sagte er auf die Frage einer Schöffin: Der Anruf von Trimmel, dass er in der letzten Minute durch einen großen Aktienkauf den Kurs heben solle, sei eine "unverbindliche Zusage" gewesen.

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