Angela Merkel droht Verlust der Mehrheit

Bild: Michael Sohn (AP)

38 Prozent für CDU/CSU, 28 Prozent für die SPD - das ist das Ergebnis einer Insa-Umfrage der vergangenen Tage zur deutschen Bundestagswahl am Sonntag. Für die Grünen würden 8 Prozent der Befragten stimmen, für die FDP sechs Prozent, für die Linke 9 Prozent und für die Piraten 2 Prozent. Damit hätte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit ihrem Koalitionspartner FDP 44 Prozent und keine Mehrheit mehr, um im Bundestag zur Regierungschefin gewählt zu werden.

Denn die drei linken Parteien kämen zusammen auf 45 Prozent. Für die Überraschung der Umfrage unter 2.248 Personen nach der Bayern-Wahl vom letzten Sonntag - sorgten die Befragten bei der Euro-kritischen AfD (Alternative für Deutschland) - fünf Prozent würden für sie votieren.

Merkel will weiter schwarz-gelb

Angela Merkel hatte erst am Mittwoch betont, dass sie auch mit einer Bundestagsmehrheit von nur einer Stimme die schwarz-gelbe Koalition mit der FDP fortsetzen würde. Egal, wie knapp die Mehrheit sei, werde man dann gemeinsam Regierungsverantwortung übernehmen, bekräftigte die CDU-Chefin in einem Interview mit den ARD-"Tagesthemen".

Zugleich unterstrich sie aber ihr Ziel, die CDU/CSU bei der Wahl am Sonntag so stark wie möglich zu machen. Die um den Einzug in den Bundestag bangende FDP wirbt massiv um Zweitstimmen von Unionswählern, was die CDU ablehnt. Die Liberalen legten zudem Bedingungen für eine Neuauflage von Schwarz-Gelb vor.

Bürger fadisiert der Wahlkampf

Der Wahlkampf hat die Bürger bisher nicht vom Hocker gerissen. Zwei Drittel der Deutschen finden den Parteien-Wettstreit langweilig. Bei einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage für das Magazin "Stern" sagten 67 Prozent, sie fänden den Wahlkampf weniger oder überhaupt nicht interessant. Gerade einmal 3 Prozent antworteten, die Auseinandersetzung sei "sehr interessant", jeder Vierte entschied sich für "interessant".

Große Koalition hat Befürworter

Unterdessen plädierte der ehemalige CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, für eine große Koalition von Union und SPD im Bund. "Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat wäre eine große Koalition diejenige Konstellation, mit der sich in Deutschland noch am ehesten etwas bewegen ließe", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung" in Halle. In Magdeburg regiert seit 2006 eine große Koalition, die Böhmer bis 2011 geführt hat. Sie habe "gut funktioniert".

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wies im Deutschlandfunk erneut Spekulationen zurück, seine Partei stelle sich bereits vor der Wahl auf ein Bündnis mit der Union ein. SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück äußerte sich zurückhaltend zu den Diskussionen über eine große Koalition. "Ich werde vier Tage vor der Bundestagswahl nicht mal ein Satzzeichen setzen, das für Spekulationen Anlass gibt", sagte er in der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland". Eine rot-rot-grüne Koalition mit der Linkspartei schloss er erneut aus.

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