Angst vor dem Lesestoff

Sie sind in der Schule nicht mitgekommen und schämen sich, ihre Defizite einzugestehen: In Niederösterreich sind bis zu 60.000 Menschen Analphabeten. Sie haben auffällige Schwierigkeiten, das Geschriebene zu verstehen. Arbeiterkammer-Präsident Hermann Haneder schlägt Alarm und fordert von der Politik Fördermaßnahmen.
Der Führerschein rückt in weite Ferne, Betriebsanleitungen für Maschinen können nicht gelesen werden und ein Zugfahrplan kann zur Herausforderung werden. Jetzt fordert der Arbeiterkammer-Präsident Hilfe für die große Zahl der Analphabeten. Neben einer Schulreform bedarf es eines größeren Angebots an Erwachsenenbildung, so Haneder.

Das Bildungs- und Heimatwerk bietet zwar Basiskurse an, doch bei vielen Menschen ist die Hemmschwelle zu groß, sich zu melden. Dem pflichtet Arbeiterkammer-Experte Markus Riedmayer bei: Leute mit Lese- und Schreibschwierigkeiten bauen eigene Strategien auf, wie sie das Problem vertuschen. Beispiel: Unter dem Vorwand, die Lesebrille vergessen zu haben, werden Arbeitskollegen gebeten, einen Text vorzulesen.

Generell zieht sich der Analphabetismus durch alle Altersschichten. Stark betroffen sind einkommensschwache Schichten. Etwa wenn die Eltern bildungsfern sind und den Kindern weder bei der Hausübung helfen noch die Nachhilfe zahlen können, so Riedmayer.

Elisabeth Czastka
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