"Anna's Quest" im Test: Angestaubtes Cartoon-Adventure

2015 erschien das Märchen-Adventure "Anna's Quest" bereits für den PC, nun endlich ist es auch für Konsolen da. Was lange währt, wird endlich gut?

"Anna's Quest" ist in Hinsicht auf Point & Click-Adventures trotz seiner sechs Jahre noch recht jung, ist aber bereits am Weg zum Klassiker. Mit ein Grund, warum das Game nach so langer Zeit plötzlich auch für PlayStation, Xbox und Nintendo Switch erscheint. Es reiht sich ein in eine Serie witziger und unterhaltsamer Genre-Kollegen aus dem Hause Daedalic Entertainment wie "Edna bricht aus", "Harvey's neue Augen" oder "Deponia", die allesamt bereits Kultstatus genießen.

Zeit also, sich noch einmal in das Game im Konsolenformat zu werfen. Spieler schlüpfen darin in die Rolle des Mädchens Anna, das mit ihrem Opa in einem finsteren Wald lebt. Eines Nachts muss die junge Dame Hilfe für ihren kranken Großvater suchen, wird dabei aber von einer Hexe entführt und eingesperrt. Mehr wollen wir aus Spoiler-Gründen nicht verraten, aber es wird wahnwitzig mit verwandelten Begleitern, telekinetischen Kräften und einer wilden Suche nach dem Heilmittel für Opa.

Die Figuren als größte Stärke

Erzählerisch gibt es auch gar kein Problem: Die Handlung ist witzig, durchdacht, spannend und weist sogar mehrere Story-Ebenen samt guten Plot-Twists und Rückblicken auf. Auch die Dialoge unterhalten auf hohem Niveau, Tippfehler aus der originalen Version sind kaum mehr zu finden. Die größte Stärke liegt aber in den Figuren: Anna sowie ihr Teddybär-Freund, die böse Hexe und allerlei Charaktere von Toten über Knastbrüder bis hin zu Drachen und Trollen sind selbst die bösesten Bösewichte sehr sympathisch umgesetzt worden.

Der Story geht leider gegen Ende hin etwas die Luft aus und das Spiel lässt viele große Fragen offen, geht dafür wiederum auf Nebensächlichkeiten umso mehr ein. Wer allerdings bis dahin Spaß mit "Anna's Quest" hatte, wird davon nicht allzu enttäuscht werden. Was aber schade ist: Über all die Jahre seit der PC-Version kam (bisher?) keine deutsche Vertonung dazu. Die Sprachausgabe ist auf Englisch, Deutsch ist in den Untertiteln zu lesen – der erste von einigen angestaubten Punkten des Games, wenn es nicht noch ein Update richtet.

Klassisches und langes Gameplay

Ein weiterer Punkt ist das unbegrenzte Inventar im Spiel, das zwar gut klingen mag, schnell aber in Dutzenden Objekten untergeht und sehr unübersichtlich wird, wenn man für eines der ebenso zahlreichen Rätsel gerade einen bestimmten Gegenstand suchen will. Das Hauptproblem: Einige Rätsel haben nicht ganz logische Lösungswege und so bleibt oft nichts anderes übrig, als einfach alle Items im Inventar nach dem Glücksprinzip durchzuprobieren.

Abseits davon ist das Gameplay aber herrlich "retro": Wie man es aus klassischen Point & Click-Adventures kennt, wird die Umgebung per Button-Drucks abgesucht. Optional kann auch ein Hotspot-System aktiviert werden, das wichtige Plätze mit Lichtkreisen markiert. So bekommt man spielerisch klassische Genre-Kost, allerdings auch keinerlei besondere Innovationen oder Überraschungen. Dafür dürfen sich Adventure-Fans freuen, denn "Anna's Quest" ist mit rund 20 Stunden recht lang ausgefallen.

Angestaubtes Cartoon-Adventure für Fans

Den angestaubtesten Punkt allerdings liefert das Rätsellösen an gewissen Punkten ab: Dass viele Gegenstände aus unerklärlichen Gründen und ohne Logik kombiniert werden müssen, kennt man als Genre-Fan. Dass sich allerdings einige erst dann miteinander kombinieren lassen, wenn man an der dafür vorgesehenen Stelle im Spielverlauf angelangt ist, ist spielerisch frustrierend und keineswegs Genre-typisch. So sorgt es immer wieder für Ärger, wenn nach minutenlangem Herumprobieren doch zwei Items zusammengesteckt werden können, was das Spiel eine Stunde zuvor verweigert hat.

Grafisch ist "Anna's Quest" dagegen große Klasse mit dem handgezeichneten Comic-Stil, der auch schon die Spiele-Kollegen aus dem Entwicklerstudio Daedalic Entertainment so besonders gemacht hatte. Insgesamt präsentiert sich "Anna's Quest" als fast typisches und klassisches Point & Click-Adventure, das mit einigen angestaubten Mechaniken nicht unbedingt Neulingen ansprechen wird, dafür aber Genre-Fans oder jenen, die sich über manches Kopfzerbrechen nicht so schnell ärgern, durchaus Freude bereiten kann.

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