Nur kurz konnten die Bewohner der Franz Mair-Straße in Deutsch-Wagram (Bezirk Gänserndorf) aufatmen, da die gute Atemluft nur für die Dauer des Corona-Lockdowns anhielt. Die kurze Straße im alten Dorf, die Teil der Landesstraße L6 ist, zieht den Schwerverkehr regelrecht an.
Trotz des Fahrverbot-Schildes für Lkw über 3,5 Tonnen würde ein Lkw nach dem andern durch das alte Angerdorf donnern, beklagen Anrainer. Aber der lange und komplexe Text des Verbotsschildes (einige Lkw dürfen fahren, andere nicht) ist nicht die einzige Herausforderung für die Lkw-Fahrer, auch die scharfe S-Kurve wird häufig unterschätzt. Mitunter musste die Feuerwehr auch schon Lkw-Anhänger bergen, die dort in eine nicht beabsichtigte stabile Seitenlage befördert worden sind.
Eineinhalb Kilometer weiter geht parallel zur L6 die wohl wesentlich schnellere und bequemere Autobahn S1 - wäre da nicht die kilometerabhängige Maut. Aber da die finanzielle Ersparnis scheinbar wichtiger ist als die zeitliche, wurde die Franz Mair-Straße zum Schleichweg für alle, die sich von der Autobahn davonschleichen. „Die Polizei sollte Fahrer, die sich nicht an das Fahrverbot halten, bestrafen“, fordern die Anrainer.
Die Grünen mit Gemeinderätin Bettina Bergauer, Umweltstadtrat Heinz Bogner und Gemeinderätin Brigitte Windbichler sahen sich die Situation vor Ort an. Ratlos stehen die drei vor der Zusatztafel, "die nur Kompliziertes im Schilde führt. Die Ausnahmen vom Lkw-Fahrverbot werden darauf wie folgt beschrieben: Fahren dürfen alle Lkw mit einem Ziel östlich der L6 und südlich der ASt. Hochleithen – also östlich praktisch überallhin bis Wladiwostok", kritisieren die Grünen in einer Aussendung.
„Diese Zusatztafel ist niemandem zumutbar. Wer soll das verstehen?“, sagt Gemeinderätin Bettina Bergauer. Der Umweltstadtrat fordert, dass die Ausnahme vom Lkw-Fahrverbot nur für Fahrten mit dem Fahrziel Deutsch-Wagram gilt. Das alte Schild habe sich in diesem Fall einen Platz im Museum verdient, das praktischer Weise gleich gegenüber ist.
Bürgermeister Friedrich Quirgst (VP) kennt die Problematik. "In dem Punkt haben die Grünen recht. Für jemanden, der den Abschnitt nicht kennt, für den ist es nicht möglich, alles zur Gänze zu lesen, was auf dem Verbotsschild steht. Das Schild steht schon seit zehn Jahren dort. Leider sind, da es sich um eine Landesstraße handelt, Änderungen hier nicht so leicht möglich. Auch mit Geschwindigkeitsreduzierungen haben wir es schon probiert. Fakt ist, dass viele Lkw dort fahren, obwohl es nicht zulässig ist. Auch die Polizei ist über die Situation informiert, macht Kontrollen, kann aber nicht immer vor Ort sein", so der Bürgermeister zu "Heute".
(Erich Wessely)