Ende März waren es bereits 84 innerhalb einer Woche. Seit Mitte Mai sinken die verhängten Betretungsverbote und Anzeigen allerdings wieder. In der letzten Mai-Woche waren es nur mehr 60, berichtet "wien.orf.at". Ein Vergleich zu den Zahlen aus dem Vorjahr ist aber laut Gewaltschutz-Expertin Rosa Logar von der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie nicht möglich: "Die Polizei hat die Statistik mit Jahresbeginn umgestellt. Wurde im Vorjahr ein Betretungsverbot zugunsten einer Frau mit zwei Kindern ausgesprochen, ging es mit der Zahl Eins in die Statistik ein. Seit Jahresanfang werden in der Statistik auch die Kinder verzeichnet, also in dem Beispiel wären es jetzt drei Betretungsverbote", so Logar.
Weiters verwies die Gewaltschutzexpertin auf einen Einbruch bei den ausgesprochenen Betretungsverboten im Jahr 2018. "Es wurden damals allein in Wien 360 weniger verhängt als 2017. Den Einbruch haben wir bis heute nicht aufgeholt." Warum die Polizei damals so viel weniger ausgesprochen hat, wissen wir nicht, erklärt Logar gegenüber "wien.orf.at".
Auch beim Wiener 24-Stunden-Frauennotruf und bei der Frauenhelpline gegen Gewalt gab es einen leichten Anstieg an Anrufen. Im März waren es rund 36 pro Tag, im Juni wurde rund 30 mal pro Tag angerufen. Vor der CoV-Krise habe man im Schnitt 21 Anrufe pro Tag verzeichnet, hieß es. Beide Notrufe berichteten, dass auch mehr Nachbarn angerufen hätten, die Streit und Auseinandersetzungen mitbekommen haben.
Keinen verstärkten Andrang im März, April und Mai gab es hingegen bei den vier Wiener Frauenhäusern: Mit insgesamt 126 Frauen sind genauso viele aufgenommen worden, wie in den drei Monaten des Vorjahres. In diesem März wurden 37 Frauen aufgenommen, im April 49 und im Mai waren es 40.
Warum es keinen Anstieg gegeben hat, erklärt Andrea Brem, die Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, mit mehreren Gründen. "Ich glaube, dass es in Zeiten wo man sich vor Ansteckung und Infektion fürchtet“, noch einmal schwieriger ist, sich Hilfe zu suchen. Es wurde ja auch 'tausendmal gesagt, man soll nicht aus dem Haus gehen'", so Brem. Mittlerweile seien die Neuaufnahmen wieder gestiegen und man sei auf "Normalniveau".