Nach dem Lockdown sollte der erste "Goldene Sonntag“ seit 60 Jahren bei vielen Händlern den Umsatz vor Weihnachten retten. Die ganze Länge der Mariahlifer Straße (Neubau) wurde dafür sogar für den Verkehr gesperrt. Dort waren bei einem Lokalaugenschein von "Heute" trotz vieler Einkäufer keine lange Schlangen zu sehen. Als eine der Ersten hat Anna (69) den Einkaufssonntag genutzt: "Ich war schon um 10 Uhr da, gegen Mittag wurde es langsam voll und unangenehm", so die Rentnerin. Dennoch ist sie gegen eine generelle Öffnungen am Sonntag: "Einkaufssonntage sind nur vor bestimmten Anlässen praktisch, vor allem für Berufstätige".
Für letzte Weihnachtsgeschenke hat Philipp (31) den Sonntag genutzt: "Ich habe eine Jacke für meine Frau besorgt. Die Sonntagsöffnung finde ich als Corona-Ausnahme in Ordnung, längerfristig ist es ein Blödsinn“, so der Familienvater. Auf Seite der Händler konnte der zusätzliche Shoppingtag an einen normalen Samstag nicht ganz heranreichen: "Es ist weniger los als am Samstag, es läuft sehr entspannt. Die Leute freuen sich aber, dass wir offen haben", schildert Verkäufer Max (26).
In der Lugner City (Rudolfsheim) lief das Geschäft gegen Mittag an. "Man merkt, dass die Leute die Zeit nutzen, um nach dem Lockdown Einkäufe zu erledigen“, so Juwelierin Paria. Ausnahme war der verwaise Friseursalon "Beauty Lounge": "Es ist schade. Ich glaube die Leute wissen gar nicht, dass nicht nur der Einzelhandel, sondern auch wir offen habe", erklärt Friseurin Farida (24).
Gedränge gab es am Nachmittag auf der Kärntner Straße (City). "Die Leute sind aber sehr respektvoll und halten Abstand“, so Mama Daniela, die noch letzte Weihnachtsgeschenkte besorgt. Auch sie spricht sich gegen eine Sonntagsöffnung aus: "Die Öffnung finde ich nach dem Lockdown gut, Sonntag soll aber ein heiliger Familientag bleiben."
Als Erfolg verbuchte die Wirtschaftskammer das Einkaufswochenende: "Die Sonntagsumsätze bewegen sich bei ca. 22,5 Millionen Euro. Inklusive Samstag konnte der Handel über 40 Millionen Euro umsetzen“ fasst Handelsobfrau Margarete Gumprecht zusammen. Die Sonntagsöffnung hätte den Betrieben entschieden geholfen, verlorene Umsätze aus der umsatzstärksten Zeit vor Weihnachten abzufedern.