Welt

Missbrauchsopfer nach Vatikan-Gipfel enttäuscht

Papst Franziskus will stärker gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche vorgehen. Den Opfern ist das zu wenig konkret.
Heute Redaktion
13.09.2021, 18:04

Missbrauchsopfer haben empört auf die Rede von Papst Franziskus zum Abschluss der Anti-Missbrauchkonferenz im Vatikan reagiert. "Wir haben dieses Bekenntnis, Missbrauch zu bekämpfen, schon oft gehört. Wann und wie, das ist es, was wir hören müssen – im Detail." Das schrieb die Irin Marie Collins, die selbst Opfer von Missbrauch wurde und einst in der päpstlichen Kinderschutzkommission saß, am Sonntag auf Twitter.

"Die Rede des Papstes ist der schamlose Versuch, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, ohne sich der Schuld und dem Versagen zu stellen und wirkliche Veränderung anzugehen", zwitscherte Matthias Katsch vom deutschen Opferschutzverband "Eckiger Tisch" enttäuscht.

Papst Franziskus hatte die Konferenz am Donnerstag mit einem Ruf nach "konkreten und wirksamen Maßnahmen" gegen sexuellen Missbrauch eröffnet und als Diskussionsgrundlage einen 21-Punkte-Plan vorgelegt. Auf seine Einladung waren die 114 Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenzen weltweit nach Rom gereist.

Der Papst hatte zwar ein Ende der Vertuschung und ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter versprochen, allerdings nannte er keine konkreten Maßnahmen, wie das in Zukunft tatsächlich erreicht werden soll.

In seiner Rede zum Abschluss der Bischofskonferenz verglich Papst Franziskus am Sonntag Kindesmissbrauch mit der in einigen Kulturen einst weitverbreiteten "grausamen" religiösen Praxis, Menschen "in heidnischen Ritualen" zu opfern. Oft seien Kinder die Opfer gewesen.

"Unmenschliches Phänomen"

In seiner mit Spannung erwarteten Abschlussrede der viertägigen Konferenz geißelte der Papst das "Übel der Pornografie" und prangerte das weltweite Phänomen des Kindesmissbrauchs an. Die Unmenschlichkeit dieses Phänomens werde in der Kirche "noch schwerwiegender und skandalöser", weil es "im Gegensatz zu ihrer moralischen Autorität und ihrer ethischen Glaubwürdigkeit" stehe, sagte Franziskus. Ein Priester, der Kinder missbrauche, werde zu einem "Werkzeug Satans".

Schönborn zeigt sich zufrieden

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn zeigte sich nach dem Gipfel in einem ZiB2-Interview zufrieden. Es habe in der katholischen Kirche kein gemeinsames Bewusstsein über die dramatischen Folgen von Missbrauch gegeben. Der Konferenz im Vatikan sei es gelungen, ein solches Bewusstsein zu schaffen. Wichtig sei ebenfalls, dass nun die "Opfer im Mittelpunkt stehen".

Konkrete Vorschläge aus Rom erwartet Schönborn in den kommenden Tage zur Prävention. "Christliches Verzeihen geht nur, wenn es eine wirkliche Aufarbeitung von Schuld gegeben hat", so der Kardinal.

Abseits vom Thema Missbrauch äußerte sich Kardinal Schönborn im ZiB2-Gespräch ebenfalls zur Karfreitags-Debatte. Er hält den bisherigen Vorschlag für nicht ausgereift und hofft auf neuerliche Gespräche von der Regierung mit den Sozialpartnern und den Religionsgemeinschaften, um eine bessere Lösung zu finden. Es sei "keine Schande für die Regierung zu sagen: 'Wir schauen uns das noch einmal an'".

Auch der Kardinal bemängelt, wie viele andere Kritiker, dass bei einem freien Freitag Nachmittag nicht wirklich von einem "halben Feiertag" die Rede sein könne, da hier ohnehin die meisten Menschen nicht mehr arbeiten. (ek)

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