Antibiotika gelten als wichtigste Waffe der Medizin gegen gefährliche Bakterien. Doch eine neue Studie zeigt: Die Keimkiller werden weltweit viel zu oft falsch eingesetzt. Das hat fatale Folgen.
Forscher haben den Antibiotika-Einsatz in 186 Ländern untersucht. Das Ergebnis: An vielen Orten werden zu viele unpassende Mittel eingenommen, während anderswo der Zugang zu lebenswichtigen Antibiotika fehlt.
Nach Angaben des Spiegel nutzen 66 von 67 untersuchten Ländern - darunter auch Deutschland - zu viele Antibiotika aus der mittleren Kategorie mit höherem Resistenzrisiko. Als Vorbild gilt die Schweiz mit niedriger Infektionssterblichkeit und geringem Antibiotikagebrauch.
Den globalen Bedarf schätzen die Wissenschaftler auf 43 Milliarden Tagesdosen jährlich. Bei einer Weltbevölkerung von damals weniger als acht Milliarden Menschen entspricht das etwa einer Antibiotikakur pro Person und Jahr.
"Überverbrauch und mangelnder Zugang werden in der Studie deutlich", erklärte Tim Eckmanns vom Robert Koch-Institut. Er betont, dass Deutschland etwas zu viele Antibiotika insgesamt und deutlich zu viele aus der mittleren Kategorie verbrauche.
Die Folgen des falschen Einsatzes sind dramatisch: Durch den häufigen Gebrauch entstehen resistente Bakterienstämme. Wenn Antibiotika zu oft, zu lange oder in falscher Dosierung angewandt werden, begünstigt das die Verbreitung dieser gefährlichen Erreger.
Die Studienautoren fordern, den gerechten Zugang zu wirksamen Antibiotika sicherzustellen und gleichzeitig den übertriebenen Einsatz einzudämmen. Nur so könne die Medizin auch künftig gefährliche Infektionen bekämpfen.