Antisemitische Karikatur in Süddeutscher Zeitung

Die umstrittene Karikatur.
Die umstrittene Karikatur.Bild: Screenshot Twitter
Eine Karikatur des israelischen Premier Benjamin Netanjahu in der "Süddeutschen Zeitung" sorgt für Unmut. Sie bedient antisemitische Klischees.
Die israelische Song-Contest-Gewinnerin Netta Barzilai sorgte mit ihrer Aussage "Nächstes Jahr in Jerusalem" – angesichts des Nahost-Streits um Jerusalem als Hauptstadt – für einige Empörung. Eine Karikatur dazu in der "Süddeutschen Zeitung" missglückte aber gehörig: Sie bediente sich antisemitischer Klischees – unabsichtlich, wie der Karikaturist betont.

Die Karikatur zeigte den israelischen Premier Benjamin Netanjahu ins Barzilais Song-Contest-Kostüm – in der Hand eine Rakete mit dem Davidsstern. Auch der Eurovision-Schriftzug enthält einen Davidsstern anstatt des "V". Zudem ist Netanjahu mit großen, abstehenden Ohren abgebildet, was in antisemitischen Karikaturen oft als typisch jüdische physiognomische Eigenart dargestellt wird.

"Süddeutsche"-Chefredakteur Wolfgang Krach entschuldigte sich inzwischen für die Karikatur. In einer Stellungnahme sprach er die Darstellung an. Diese habe "innerhalb und außerhalb der SZ-Redaktion zu Diskussionen geführt", schreibt er. Obwohl vom Karikaturisten so nicht intendiert, könne "man die Zeichnung auch anders verstehen und als antisemitisch auffassen. Ihre Veröffentlichung war deshalb ein Fehler, für den wir um Entschuldigung bitten", so Krach.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Auch frühere Song Contests in Jerusalem

Israels Premier Benjamin Netanjahu griff Barzilais Äußerung "Nächstes Jahr in Jerusalem" am Abend des Song-Contest-Gewinns sogleich auf Twitter auf.

Für manche wirkte die Aussage der Gewinnerin, die eigentlich eine traditionelle jüdische Formel bei Pessach- und Yom-Kippur-Feierlichkeiten ist, dadurch wie eine politische Botschaft.

Auch die beiden bisher in Israel abgehaltenen Song-Contests in den Jahren 1979 und 1999 fanden bereits in Jerusalem statt.

(red)

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