Apparatschiks und Theater-Feuerwerke

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Paulus Manker, mit dem ich auch schon manchen Strauß zu fechten hatte, ist weder einfach noch umgänglich. Im Gegenteil, oft gibt er sich anmaßend und beleidigend.


Aber er ist durch und durch ein Kunstmensch, ein großer Theatermann, ein Regisseur, Schauspieler und Autor mit Herz und Seele. Rücksichtslos auch sich selbst gegenüber, macht er ein fesselndes, mitreißendes Theater - ein Theater, das wehtut, das angeht, das überrascht und Freude macht. Mit Joshua Sobols Drama "Alma - A Show Biz ans Ende" erfindet er die Liebestollereien der Wiener Salonlöwin Alma Mahler grandios immer neu.

Mankers Alma ist inzwischen ein Welterfolg. Umso unverständlicher ist seine geringschätzige Behandlung durch den Wiener Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, der offenkundig Kritik von Künstlerseite als Majestätsbeleidung betrachtet. Manker warf ihm vor zu lügen und ein kunstferner Apparatschik zu sein. Seitdem hält sich der Stadtrat mit Förderungen zurück und auf Kritik hin lässt sein Büro gebetsmühlenartig - wie gegenüber einem lästigen Bettler - den zynischen Stehsatz wiederholen, dass man ja schon gegeben habe. Beispielhaft anders der Landeshauptmann von Niederösterreich Erwin Pröll, der Manker seine neue Produktion, die ich Ihnen gerne ans Herz lege, in der "Serbenhalle" in Wiener Neustadt (bis 31.8.) ermöglichte. Bedankt wurde das Publikum mit einem Theaterfeuerwerk.

Ein Erfolg, der einem Politiker, der Künstler und ihre Anliegen zu verstehen scheint und Niederösterreich einen wahren Kulturschub von der vorzüglichen Kremser Kunsthalle bis hin zum St. Pöltner Festspielhaus verordnete, Recht gibt. Sein Wiener Politkollege wäre gut beraten, die Hand, mit der er füttert, auch gelegentlich beißen zu lassen. Das müsste, ein Kulturpolitiker von Format aushalten, denn gerade Widerständiges und Kritisches ist für die Kulturstadt Wien unverzichtbar. Hoch lebe die Kunst.
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