Apple hat Klage am Hals – wegen lahmer iPhones

Apple installiere auf alten iPhones Updates, die die Geräte verlangsamten, sagt ein Politiker. Jetzt geht er vor das Bundesgericht.
Die "programmierte Obsoleszenz", also das vom Hersteller gewollte schnellere Altern von Produkten, wird zum Fall für die Justiz. Der Schweizer Politiker Thomas Putallaz und der Verein NoOps, den er präsidiert, ziehen Apple vor das Bundesgericht. Nachdem die Staatsanwaltschaft Genf eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerbs nicht weiterverfolgte, wendet sich Putallaz nun an die obersten Richter.

Konkret geht es um ein Update, das Apple im Oktober 2017 herausbrachte und das die Leistung der Handys stark beeinträchtigt haben soll. Insbesondere die Batterielebensdauer soll dadurch verringert worden sein. In Italien wurden Apple und Samsung deswegen letztes Jahr von der Wettbewerbsbehörde verurteilt, Apple muss zehn Millionen Euro zahlen. Auch in Frankreich und den USA laufen Untersuchungen.

"Hunderttausende sind betroffen"

Seit 2008 habe Apple durch die "Trickserei" Millionen von neuen Handys verkauft, sagt Thomas Putallaz. Eine amerikanische Studie belege, dass bei jeder Veröffentlichung eines neuen iPhone-Modells die Google-Suche nach "slow iPhone" nach oben zeigten. Er strebe ein ähnliches Urteil wie in Italien an. "Verbraucher werden zunehmend durch die aggressiven Methoden der Tech-Riesen und der Industrie geschädigt", sagt Putallaz.

Viele Konsumenten hätten sich bei der Gruppe NoOps gemeldet. In der Schweiz seien Hunderttausende betroffen, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Der Schweizer Markt sei für Apple der lukrativste der Welt, da 54 Prozent der Bevölkerung ein iPhone hätten.

CommentCreated with Sketch.8 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Schlecht für die Umwelt

Eine künstliche Verkürzung der Lebensdauer sei auch für die Umwelt schlecht, schließlich benötige die Produktion von Smartphones Ressourcen und der Kauf eines neuen produziere Abfall. Weil der Verein dem Bundesgericht 3.000 Franken (umgerechnet 2.635 Euro) vorschießen muss, hat er nun im Internet ein Crowdfunding gestartet.

Putallaz sagt, das iPhone sei nur ein erstes Beispiel und diene dazu, ein Präzedenzurteil zu erhalten. Seinem Verein gehe es um das Phänomen im Allgemeinen. So sei das Problem der geplanten Obsoleszenz etwa auch bei Druckern, Damenstrumpfhosen oder Glühlampen bekannt. Je nach Ausgang des Verfahrens will Putallaz auch in diesen Fällen gegen die geplante Obsoleszenz kämpfen. Explizit strafbar ist diese heute in der Schweiz nicht, ebenso nicht in Österreich.

Apple bleibt still

Das Konsumentenforum begrüßt die Anzeige. "Wir hoffen auf ein gerechtes Urteil", sagt Kommunikationsleiter Dominique Roten. "Apple streitet ab, dass es sich um geplante Obsoleszenz handelt. In anderen Ländern, in denen Urteile ergangen sind, musste Apple das aber zugeben." Das Forum erhalte immer wieder Anfragen zu diesem Thema. Neben Smartphones seien insbesondere hochtechnologische Produkte betroffen. "Gerade in diesem Bereich gibt es Firmen, die geplante Obsoleszenz sehr bewusst einsetzen", sagt Roten.

Ein Apple-Sprecher teilt auf Anfrage mit, Apple äußere sich nicht zum Thema, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Apple hat laut dem "Spiegel" im Jahr 2017 zugegeben, die Geschwindigkeit älterer Smartphones zu drosseln. Das habe aber nichts mit geplanter Obsoleszenz zu tun, sondern diene der Verlängerung der Akkulaufzeit. (ehs)

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