Clan-Chef im Gericht mit Verhaftung überrascht

Mehrmals stand der Anführer des berüchtigten Abou-Chaker-Clans vor dem Richter. Doch zum ersten Mal klickten im Gericht die Handschellen.

Der Weg zum Gerichtssaal am Dienstag war für Arafat Abou-Chaker (42) nichts Neues. Wohl auch deshalb hatte er ein leichtes verschmitztes Grinsen im Gesicht, als er ins Berliner Landesgericht spazierte. Denn bislang stolzierte er immer wieder nach einiger Zeit als freier Mann hinaus. Doch dieses Mal kam alles anders. Zum ersten Mal in seinem Leben muss der Clan-Chef ins Gefängnis.

Damit die Handschellen auch wirklich klickten, mussten die Ermittler sich ein wenig mit Tricks behelfen. Zunächst musste Arafat Abou-Chaker wegen Körperverletzung und Bedrohung eines Hausmeisters vor Gericht erscheinen. Nach der Anhörung der Zeugen scherzte der Clan-Chef noch mit seinem Bruder, der im Publikum saß.

Kurz darauf dann die erste Überraschung: Zehn Monate Haft auf Bewährung. Trotz der ersten Verurteilung verzog Abou-Chaker keine Mine. Doch dann änderte sich alles schlagartig.

Nach der Urteilsverkündung bat der Richter die Zuschauer und Journalisten den Saal zu räumen. Von draußen trat Oberstaatsanwältin Petra Leister mit mehreren Akten in den Raum. Ebenfalls mit dabei: Ein Haftbefehl gegen Arafat Abou-Chaker. Dieser wurde ihm im Gerichtsaal vorgelegt, während die Handschellen klickten. Vor dem Gerichtssaal bewachten zehn Zivil-Beamte den Zugang. Der Clan-Chef selbst kam nicht mehr heraus. Durch einen unterirdischen Gang wurde er direkt in die berüchtigte Justizvollzugsanstalt Moabit gebracht.

Seit 1991 wurde bereits 33 Mal gegen Arafat Abou-Chaker ermittelt. Vorbestraft war er bislang aber nicht. Alle Fälle endeten mit einem Freispruch aufgrund von Mangel an Beweisen. Auffällig: Zeugen konnten sich vor Gericht plötzlich an nichts mehr erinnern, nahmen ihre Aussagen teilweise zurück.

Nun soll die Beweislast aber erdrückend gewesen sein. Den Grundstein zur Verhaftung legte eine Razzia im November vergangenen Jahres. Die Ehefrau seines Bruders Yasser soll laut "Bild" gegen Arafat ausgesagt haben. Sie hätte mitbekommen, dass man eine Aktion gegen Rapper Bushido plane. Konkret: Frau und Kinder sollten entführt werden. Auch die Kinder von Yasser standen auf der Liste. Denn seine Ehefrau hat sich von ihm getrennt. Deshalb ging sie schließlich zur Polizei.

Der Haftbefehl wurde gleich aufgrund mehrerer Gründe ausgestellt. Einerseits besteht Fluchtgefahr. Das Gericht befürchtet, dass Arafat Abou-Chaker über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, um sich abzusetzen. Weiters wird angeführt, dass der Clan-Chef die Betroffenen einschüchtern könnte, damit die Aussagen erneut zurückgezogen werden.

Nun droht dem Aou-Chaker eine lange Haftstrafe. Laut Insidern soll sich der Clan-Chef zudem "fürchten". Er habe einige Feinde, die sich im Gefängnis an ihm rächen wollen. "Er wird alles tun, um so schnell wie möglich wieder rauszukommen", so ein Weggefährte gegenüber "Bild". (slo)

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