Ein Arbeitszeugnis muss laut Gesetz wahr und wohlwollend sein. Das klingt erst einmal gut - führt aber dazu, dass Personalchefs eine eigene Geheimsprache entwickelt haben. Scheinbar lobende Formulierungen entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als vernichtende Kritik.
Das Problem: Viele Arbeitnehmer merken gar nicht, dass ihr Zeugnis schlecht ist. Sie lesen Sätze wie "Er erledigte seine Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit" und denken, alles sei in Ordnung. Doch diese Formulierung entspricht nur einer Note 3 - befriedigend.
Wie die Computerwoche berichtet, verbergen sich hinter vielen gängigen Phrasen versteckte Bewertungen. Besonders tückisch: Passive Formulierungen wie "wurde beschäftigt" statt "war tätig" deuten auf einen wenig engagierten Mitarbeiter hin. Auch wenn Routineaufgaben zuerst genannt werden, ist das ein Warnsignal.
Für die Note "sehr gut" braucht es die Steigerung "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit". Eine gute Beurteilung erhältst du mit "stets zu unserer vollen Zufriedenheit". Ohne das Wörtchen "stets" rutscht die Note bereits auf befriedigend ab.
Besonders kritisch wird es bei Formulierungen wie "zum großen Teil zu unserer Zufriedenheit" oder "hat sich bemüht". Beides bedeutet: mangelhaft. Auch übertriebenes Lob für Basistugenden wie Pünktlichkeit bei Führungskräften ist ein Alarmsignal - es soll fehlende Fachkompetenz kaschieren.
Fehlen am Ende des Zeugnisses Zukunftswünsche und Dankesworte, ist das ein schlechtes Zeichen. Ein gutes Zeugnis enthält immer eine Formulierung wie "Wir wünschen für den weiteren Berufsweg alles Gute" und drückt Bedauern über das Ausscheiden aus. Ohne diese Elemente wirkt der Abschied wie ein stummer Rauswurf.