Ernüchterndes Ergebnis

"Armutszeugnis!" So korrupt ist Österreich wirklich

Österreich hat sich im internationalen Korruptionsindex von Platz 22 auf Platz 20 leicht verbessert. Experten kritisieren fehlende Transparenz.

Andre Wilding
"Armutszeugnis!" So korrupt ist Österreich wirklich
Korruption: Österreich belegt Platz 20.
Getty Images/ Symbolbild

Transparency International hat den Korruptionsindex (CPI) für das Jahr 2023 präsentiert. Für Österreich ist auch das diesjährige Ergebnis ein "Armutszeugnis", heißt es in einer Aussendung. Trotz stetigen Forderungen nach mehr Transparenz und der Bekämpfung von Korruption, bleibt Österreich mit 71 Punkten auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr.

Obwohl Österreich aufgrund des Punktestands in diesem Jahr Rang 20 (im Vorjahr Rang 22) einnimmt, und somit vergleichsweise besser platziert ist, kann sich Österreich damit nicht profilieren.

"Politikverdrossenheit nimmt zu"

"Es ist ein ernüchterndes Zeugnis für die Republik! Durch die fehlende Transparenz nimmt die Politikverdrossenheit zu, während das Vertrauen der Bevölkerung sinkt. Dies sind alarmierende Symptome einer Krise, in der Österreich steckt. Zwar wurden wichtige Maßnahmen gesetzt, wie zum Beispiel die notwendige Verschärfung des Korruptionsstrafrecht und die Implementierung des Hinweisgeberschutzgesetzes, jedoch werden sich diese verspäteten Schritte erst in Zukunft im CPI auswirken. Weiters fehlt es noch immer an effektiven Lobbying-Regelungen", warnt Alexander Picker, Vorstandsvorsitzender von TI-Austria.

In den letzten Jahren war die politische Landschaft in Österreich geprägt von zahlreichen Korruptionsskandalen. Weiters wurden effektive Gesetze zur Bekämpfung von systemischen Mängeln von den Verantwortlichen nur mangelhaft umgesetzt. Politiker:innen und Bevölkerung müssen endlich verstehen, dass Wirtschaftsstandort und nationaler Wohlstand durch Korruption geschwächt werden. Und dies gilt es zu verhindern.

Georg Krakow, Vorstandsmitglied TI-Austria: "Vor 5 Jahren (2019) stand Österreich im internationalen Korruptionsindex noch an 12. Stelle weltweit und 10. Stelle in Europa. Heute sind wir auf den 20. Platz abgerutscht und bestenfalls noch zweitklassig. Ein wesentlicher Grund dafür sind mit Sicherheit die Korruptionsfälle in den letzten Jahren. Wir haben dadurch an Boden verloren. Dabei geht es nicht nur darum, ob tatsächlich strafbares Verhalten gesetzt wurde, sondern es geht vielmehr darum, welches Bild die Politik, Verwaltung und Justiz in unserem Land nach außen und innen bieten."

Und weiter: "Es ist hoch an der Zeit, dass sich alle verantwortlichen Entscheidungsträger/innen am Riemen reißen und den hohen Anforderungen an die Vorbildfunktion, die sie haben, gerecht werden. Dazu gehört ein Verhalten, das nachvollziehbar ist, das auch nicht den Anschein korruptiven Verhaltens erweckt. Dazu gehört auch, dass man miteinander respektvoll und nicht zerstörerisch umgeht. Dazu gehört auch, dass die Justiz besonnen und unabhängig arbeitet und arbeiten kann."

Dänemark auf Platz 1

Dänemark sichert sich auch dieses Jahr wieder den 1. Rang (90 Punkte) und teilt sich das Podest mit Finnland auf Rang 2 und Neuseeland auf Rang 3. Zum Vergleich: Österreich fehlen auf Dänemark mittlerweile 19 Punkte.

Während sich Österreich im europäischen Vergleich an 13. Stelle befindet, schneiden unsere Nachbarländer Deutschland und die Schweiz deutlich besser ab. Die Schweiz belegt beim CPI 2023 Rang 6 und Deutschland erzielt "ex aequo" mit Luxemburg den 9 Rang. Als Schlusslichter finden sich dieses Jahr Somalia mit 11 Punkten, sowie Venezuela, Syrien und Südsudan mit je 13 Punkten wieder.

"Darf nicht unser Anspruch sein"

Eva Geiblinger, Vorstandsmitglied TI-Austria, sagt "Wir müssen endlich begreifen, dass Transparenz und Anti-Korruption auch für den Wirtschaftsstandort Österreich von essenzieller Bedeutung sind. Ein Dahindümpeln im europäischen Mittelfeld darf nicht unser Anspruch sein. Im Jahr 2005 war Österreich noch auf Platz 10. TI-Austria engagiert sich vor allem für Projekte mit Jugend, Schulen und Universitäten. Die junge Generation soll mit einem korrekten Verständnis von Integrität und Transparenz helfen den Wandel zu beschleunigen."

1/55
Gehe zur Galerie
    <strong>24.05.2024: Ballermann-Club eingestürzt: "Hörte sich wie Bombe an".</strong> Am Ballermann ist am Donnerstagabend ein Club eingestürzt. Es gibt mindestens vier Tote, sieben Verletzte befinden sich in kritischem Zustand. <a data-li-document-ref="120038370" href="https://www.heute.at/s/ballermann-club-eingestuerzt-hoerte-sich-wie-bombe-an-120038370">Weiterlesen &gt;&gt;&gt;</a>
    24.05.2024: Ballermann-Club eingestürzt: "Hörte sich wie Bombe an". Am Ballermann ist am Donnerstagabend ein Club eingestürzt. Es gibt mindestens vier Tote, sieben Verletzte befinden sich in kritischem Zustand. Weiterlesen >>>
    Pressefoto Scharinger / Andreas ZEECK
    wil
    Akt.