Im Prozess um den Tod zweier Männer durch Arsenvergiftung fiel am Landesgericht Krems am Donnerstagabend ein Urteil. Die angeklagte 52-jährige Polin wurde wegen dem Doppelmord zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Den gerichtsmedizinischen und chemischen Gutachten zufolge starben beide an den Folgen, auch wenn die Todesursachen natürlich erklärbar waren.
Im fiel am Landesgericht Krems am Donnerstagabend ein Urteil. Die angeklagte 52-jährige Polin wurde wegen dem Doppelmord zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Den gerichtsmedizinischen und chemischen Gutachten zufolge starben beide an den Folgen, auch wenn die Todesursachen natürlich erklärbar waren.
Das Urteil des Landesgerichts Krems ist nicht rechtskräftig. Die Verteidigung gab keine Erklärung ab. Die 52-Jährige war von den Geschworenen der Morde mit sechs zu zwei Stimmen schuldig gesprochen worden. Schuldsprüche gab es auch bei den angeklagten Betrugs- und Diebstahlsfakten.
Richterin Susanne Daniel sprach von Mord aus niederen Beweggründen, was strafverschärfend sei. Daher sei eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhängen gewesen, sagte sie in ihrer - kurzen - Urteilsbegründung.
Angeklagte dementierte bis zuletzt
"Ich habe niemand umgebracht ... und nie in meinem Leben Gift in den Händen gehabt", sagte die angeklagte Polin, bevor die Geschworenen um 15.30 Uhr in die Urteilsberatung geschickt wurden. Nun muss die Frau auf ihr Urteil warten. Für den Verteidiger Timo Gerersdorfer hat das Beweisverfahren "nicht einmal ansatzweise ergeben", dass seine Mandantin den Männern Arsen verabreicht habe. Es sei nicht geklärt, wo das Gift her- und hinkam. Vermögensrechtlich hätten ihr Sohn und ihr Mann profitiert, die aber nicht auf der Anklagebank saßen. Vielmehr sei seitens der Staatsanwaltschaft die Einvernahme des 29-Jährigen abgesagt worden. Gerersdorfer forderte einen Freispruch im Zweifel.
Laut Christian Reiter wurde bei Herbert A. (68) - er starb im Oktober 2010 - nachgewiesen, dass er das Arsen wiederholt genommen habe, Alois F. (61), der im Februar 2011 starb, nahm es nur einmal oder kontinuierlich.
Männer schenkten Angeklagter fast alles
Zu Verhandlungsbeginn am Montag hatte sich die Angeklagte, eine 52-jährige polnische Pflegehelferin, nicht schuldig bekannt. Sie gab an, bei dem Wiener A. als Haushaltshilfe und später Pflegerin, bei F. als Putzfrau gearbeitet zu haben. In beiden Fällen habe sie bzw. ihr Mann und Sohn deren Pkw gekauft - ob die Summen tatsächlich übergeben wurden, ist nicht belegt.
Der Wiener hatte ihr - neben einem verkauften Mobilheim im Weinviertel - auch seine Eigentumswohnung geschenkt. Tatsächlich hatten die einsamen Männer die Frau über Inserate, in denen sie eine Lebensgefährtin suchten, kennengelernt und sich Zeugenaussagen zufolge in die 52-Jährige verliebt. Sie selbst bestritt jegliche Liebesbeziehung.
Nachweis des Gifts mit technischer Hilfe
Wie Gutachter Reiter am Donnerstag ausführte, litten die Pensionisten aus Wien und Niederösterreich an altersbedingten verschiedenen "Wehwetscherln", waren ansonsten aber gesund. Ihr Zustand verschlechterte sich dann jedoch rapide. In aufwendigen hochtechnischen Analysen wurden Organe sowie Haare und Nägel der Opfer untersucht, wodurch nicht nur der Nachweis des Giftes gelang, sondern sich - rückgerechnet auf das Wachstumstempo der Nägel - auch der Zeitpunkt der Arsengaben eingrenzen ließ. In beiden Fällen hatte die Beschuldigte zu dieser Zeit bereits bei den Männern gewohnt und sie "gepflegt".
Arsenwerte Hundert- bis Tausendfach erhöht
Bei Herbert A. waren die Arsenwerte in der Niere um das Hundertfache, in der Leber um das Tausendfache erhöht. Bei F. betrug die Konzentration "nur" das Zwei- bis Vierfache, was der Sachverständige mit der Auswaschung des Giftes durch die Dialyse begründete. Einer solchen war der Niederösterreicher in seinen letzten Wochen im Spital unterzogen worden. In den Haaren fanden sich laut Gmeiner am Ansatz 115 bzw. 65 Nanogramm (pro Kilogramm) - in der Literatur sind Todesfälle bei 45 Nanogramm dokumentiert.
Die von den Gutachtern festgestellten Zeiträume der Arsengaben decken sich mit den Krankengeschichten der Männer. Herbert A. hatte am 9. Februar 2010 seine Hausärztin wegen Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsstörungen aufgesucht und seine Unpässlichkeit auf verdorbene Wurst zurückgeführt.
Extremer Gewichtsverlust
Nachdem sich sein Zustand nicht gebessert hatte, wurde er am 14. Februar stationär in Spital aufgenommen, wobei u.a. Brusthöhlenergüsse, Leberverfettung, Nasenbluten, eine Entzündung des Magens und beginnend der Nerven sowie eine Knochenmarksveränderung festgestellt wurde. Das wiederkehrende Erbrechen habe man damals im Krankenhaus auf Alkoholkonsum zurückgeführt, erläuterte Reiter. Viele "normale" Symptome seien mit jenen durch Arsenvergiftung in Einklang zu bringen.
Am 7. März musste der 68-Jährige erneut ins Spital, die Sensibilität der Extremitäten war gestört, im Mai kam eine Herzbeutelentzündung dazu, eine schlaffe Lähmung der Arme und Beine trat auf, die Haut erkrankte, das EKG war auffällig verändert und die Nieren versagten. Seit Jänner hatte der Patient 20 Kilo abgenommen. Am 26. August erklärte der Mann seiner Hausärztin, daheim in Würde sterben zu wollen, und wurde mit Morphin gegen seine Schmerzen - vor allem die Hände waren überempfindlich - behandelt.
Als er ausgezehrt, ausgetrocknet und mit nur mehr 33 Grad Körpertemperatur am 14. Oktober eingeliefert wurde, konnte er kaum noch sprechen - am nächsten Morgen war er tot. Laut Obduktion war ein Magengeschwür durchgebrochen und der Tod durch Bauchfellentzündung eingetreten.
Extreme Symptome, schleichender Tod
Bei Alois F. hatte eine Blutbilduntersuchung noch im Sommer 2010 keine Auffälligkeiten ergeben. Ab 29. November litt er an Angina, Schluckbeschwerden und Durchfall, in den folgenden Tagen und Wochen kamen Bauch- und Gelenksschmerzen sowie Atemnot dazu, seine Beine waren geschwollen, er zeigte - ebenfalls - Sensibilitätsstörungen in Armen und Beinen.
Am 29. Dezember stellte der Hausarzt eine abheilende Gürtelrose fest, am 11. Jänner 2011 wurde der Niederösterreicher mit Lungenentzündung in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus Krems gebracht. Dialyse war ab 17. Jänner notwendig, auch das Blutbild stimmte auffällig nicht, F. blutete aus Nase und Mund. Der 61-Jährige starb am 14. Februar 2011 - laut Obduktion an Pilz- und bakterieller Blutvergiftung.