Österreich

Arzt: "Müssen Schwerkranke wegen Covid-Fällen ablehnen"

Ein Wiener Mediziner schlägt auf Facebook Alarm. Die Corona-Situation spitzt sich dramatisch zu.
Sandra Kartik
16.11.2021, 14:11

Am Montag musste eine komplette Abteilung in einem Wiener Krankenhaus für Patienten sperren, die teilweise schon seit Beginn der Pandemie auf ihre dringend notwendigen Operationen warten. Der Grund: Die Betten müssen für die Versorgung von Covid-Patienten bereitgestellt werden.

Was das bedeutet, erklärt der Wiener Mediziner Roman K. (Name geändert) ganz klar: Planbare OPs können derzeit nicht mehr durchgeführt werden. Ab nun kann man in der Abteilung nur mehr akute, nicht aufschiebbare Operationen von lebensbedrohlichen Erkrankungen durchführen. Man will zwar weiter zumindest einen krebskranken Patienten pro Tag aufnehmen, "jedoch ist nicht einmal dies bei der verbleibenden Bettenkapazität gewährleistet", erklärt der Arzt betroffen.

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Doch nicht nur Krebskranke müssen nun auf notwendige Eingriffe warten, auch "unzählige Patienten, z.B. mit Gallensteinen samt immer wiederkehrenden schmerzhaften Gallenkoliken, können erst bei Auftreffen einer schweren Komplikation operativ versorgt werden". Die Betroffenen können durch die Verzögerung, die durch die ansteigende Zahl an Covid-Patienten entstanden ist, "eventuell Schaden erleiden, der bei rechtzeitiger chirurgischer Versorgung zu verhindern wäre."

Kein Verständnis für Ungeimpfte

Die Situation auf der Intensivstation ist inzwischen dramatisch, schildert Roman K.: "Sowohl das ärztliche, als auch das Pflegepersonal, pfeift zusehends aus dem letzten Loch." Krankenstände steigen, sie seien oft der "letzte Ausweg, um dem Druck und der Überlastung zu entkommen".

Hingegen schwindet "das Verständnis und die Empathie des medizinischen Personals für freiwillig ungeimpfte und an Covid erkrankte Patienten, die einerseits unseren schulmedizinischen Ratschlägen hinsichtlich der Impfung uneinsichtig gegenüber stehen, und uns teilweise mit Häme und Verachtung überschütten, aber im Krankheitsfall sehr wohl unsere Hilfe vollkommen selbstverständlich erwarten und sogar einfordern."

"Gipfel der 4. Welle noch nicht erreicht"

Für den Arzt ist es untragbar, dass Patienten, deren Operationen zum wiederholten Mal verschoben werden, weiter leiden müssen. Auch sie haben kein Verständnis mehr. Er warnt eindringlich: "Der Gipfel der 4. Welle ist noch nicht erreicht, geschweige denn das Tal dahinter in Sicht."

An Impfskeptiker appelliert Arzt Dr. Roman K. deshalb: "Wie sollen wir und unsere unschuldig in Mitleidenschaft gezogenen Patienten mit dieser Situation umgehen?" Er sehe deshalb nur einen Ausweg: "Entweder lassen sich die Impfskeptiker nach Einholen einer kompetenten und wissenschaftlich fundierten Aufklärung impfen, oder sie bleiben im Falle einer Infektion samt schweren Krankheitsverlauf zuhause und konsultieren die Quellen, bzw. bitten die Personen um medizinische Hilfe, die ihnen von einer lebensrettenden Impfung abgeraten haben."