Arzt vergiftet Kollegen: "Zuerst dachten wir an Corona"

In Korneuburg (NÖ) laufen Ermittlungen gegen Gefängnisarzt.
In Korneuburg (NÖ) laufen Ermittlungen gegen Gefängnisarzt.Daniel Schreiner, Kosmo - Montage: heute.at
Selbst in Ermittlerkreisen schüttelt man über den mutmaßlichen Kriminalfall rund um einen Gefängnispsychiater den Kopf. Der junge Mediziner soll aus Enttäuschung und Rache sogar den ärztlichen Leiter vergiftet haben.

Am vorletzten Wochenende, also Mitte Mai, hatte der junge Gefängnispsychiater eine Torte in die Justizanstalt mitgebracht. Die Kollegen freuten sich über die nette Geste. Doch die süße Versuchung entpuppte sich als trojanisches Pferd und setzte gleich mehrere Kollegen außer Gefecht. Denn der Kuchen/Torte soll mit einem Medikamentencocktail (gängige Tabletten aus der Psychiatrie) versetzt worden sein ("Heute" berichtete).

Anfangs bestand Corona-Verdacht

In der Folge klagten der ärztliche Leiter der Justizanstalt in NÖ, zwei weitere Mediziner sowie eine Sekretärin über Übelkeit, Schwindel und andere Symptome (Anm.: ein Arzt hatte sogar Fieber). "Insgesamt aßen rund zehn Mitarbeiter von der Torte. Acht oder neun hatten dann Symptome, vier sogar schwere. Zunächst dachten alle an Corona. Erst nach einigen Tagen kam der Verdacht mit der Torte auf", weiß eine leitende Beamtin. Und: Jener Arzt, der das größte Stück gegessen hatte, wurde ins Wiener AKH gebracht. 

Ein Arzt selbst in Spital

Im AKH wurde schließlich eine höhere Dosis Medikamente (Benzos, Truxal) im Blut des Patienten festgestellt. Mitte letzter Woche erhärtete sich dann der Verdacht gegen den jungen Arzt. Am Donnerstag suchte die Kripo den Verdächtigen an seinem Arbeitsplatz in NÖ, doch der Psychiater war nicht mehr zum Dienst erschienen. In der Folge wurde nach dem Mann gesucht, schließlich wurde der Mediziner in einem Café festgenommen und in die Justizanstalt Korneuburg überstellt.

Verschmähte Liebe als Motiv?

Die Hintergründe dürften im persönlichen Umfeld des Verdächtigen liegen: Denn er soll auch einem Kollegen die Autoreifen zerstochen bzw. den Lack zerkratzt haben. Der Verdächtige wollte angeblich eine Beziehung mit dem Mediziner eingehen, doch dieser blockte stets ab, bekam es sogar mit der Angst zu tun. Aus Enttäuschung bzw. Rache soll der Psychiater den Pkw des Kollegen beschädigt haben. "Warum allerdings die Gift-Torte, ist uns nicht ganz klar. Weil es traf da nur Unbeteiligte. Wir sind fassungslos", so ein Justiz-Insider gegenüber "Heute".

Übrigens: Der verdächtige Psychiater stammt aus recht einflussreichem Hause, wollte zunächst eigentlich Chirurg werden, sattelte aber dann auf Psychologie um und hatte in den letzten Jahren als große Mediziner-Hoffnung gegolten. Für ihn gilt in vollem Umfang die Unschuldsvermutung. 

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