Skandalöser Vorfall am Wiener Gürtel: Ein Arzt einer Drogeneinrichtung verweigerte die Hilfe, als zwei Drogensüchtige in Streit gerieten. Jetzt ermittelt die Polizei.
Eine Messerstecherei vor der Drogeneinrichtung "jedmayer" in Wien-Mariahilf ist es Montagabend gegen 21 Uhr auf Höhe des Gumpendorfer Gürtel 8 zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen, die der Suchtgiftszene zuzurechnen sind, gekommen.
Bei dem Streit zückte der 34-Jährige plötzlich ein Messer und stach auf seinen Kontrahenten ein. Der 30-Jährige erlitt insgesamt vier Stichwunden - zweimal in den Rücken, in die Schulter sowie in den Bauch. Auch der 34-Jährige selbst wurde verletzt, ihm fehlten schließlich die Fingerkuppen der rechten Hand. Während der 30-Jährige verletzt auf der Straße liegen blieb, flüchtete der 34-Jährige in die Drogeneinrichtung "jedmayer". Zeugen alarmierten die Einsatzkräfte.
Arzt kam nicht heraus
Die Besatzung des ersteintreffenden Funkwagens klopfte schließlich laut Polizeisprecher Thomas Kebilinger geistesgegenwärtig an die Tür des Suchtzentrums, um Hilfe bei der Versorgung des Verletzten zu erbeten. Die Tür blieb jedoch auch nach mehreren Versuchen verschlossen, "es kam keiner raus", sagte Keiblinger. Kurze Zeit später traf glücklicherweise der Notarzt ein und versorgte den Schwerverletzten.
Gegen zwei Mitarbeiter der Drogeneinrichtung wurden Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung eingeleitet.
Der 30-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht und konnte bisher noch nicht zu dem Vorfall befragt werden. Der 34-Jährige befindet sich in Haft. Er gab in einer ersten Befragung an, dass er sich lediglich gegen seinen Kontrahenten verteidigt habe, weil dieser ihm angeblich sein Handy rauben wollte. Das Landeskriminalamt Wien hat die Ermittlungen übernommen und ist mit der Abklärung des Motivs sowie der Rekonstruktion des Tathergangs beschäftigt.