Österreich

Ärzte: Alle Zeichen stehen auf Streik!

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:30

In der von der Wiener Ärztekammer intiierten Streikabstimmung unter den Ärzten des Krankenanstaltenverbunds (KAV) haben sich diese eindeutig für Kampfmaßnahmen ausgesprochen, sollte es nicht zu einer zufriedenstellenden Lösung seitens KAV kommen: Es geht dabei um Nachtdienst-Reduktionen und neue Schichtdienste.

Von den 2.313 abgegebenen Stimmen waren 2.146 für Protestmaßnahmen.  Das sind 92,78 Prozent! Die Beteiligung lag bei knapp 64 Prozent. Nur 86 Ärztinnen und Ärzte erklärten, sich gegebenfalls nicht an einem Streik beteiligen zu wollen, 81 Stimmen waren ungültig.

Die Kurie der angestellten Ärzte wird au Basis dieses Abstimmungs-Ergebnisses in einer Sitzung am Mitwoch das weitere Vorgehen beraten und entsprechende Protestmaßnahmen beschließen.

Teil des zwischen KAV, Gewerkschaft und Ärztekammer vereinbarten Pakets ist einerseits ein um 30 bis 50 Prozent höheres Gehalt, das die Ärzte nun seit über einem Jahr erhalten. Der zweite Teil der Vereinbarung - eine Reduktion der Nachtdienste, dafür aber eine höhere Tagespräsenz, wurde bisher noch nicht umgesetzt. 

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres spielt nun den Ball in Richtung KAV: "Die Wiener Kollegenschat hat ein klares Machtwort gesprochen", so Szekeres. "Falls der KAV au seiner Linie beharrt und weiter das Ziel von Personalausdünnung und Leistungsminimierung verfolgt, werden wir dieses Mandat sehr ernstnehmen und gegebenfalls auch umsetzen."

KAV stellt klar: An Paket führt "kein Weg vorbei"

Der Krankenanstaltenverbund meldete sich kurz nach Veröffentlichung des Umfrageergebnisses zu Wort: "Wir nehmen das Ergebnis der Abstimmung der Ärztekammer zur Kenntnis und erkennen darin vor allem noch bestehende Verunsicherung und Sorgen der Ärztinnen und Ärzte, was die neuen Dienstzeiten betrifft", sagte KAV-Generaldirektor Udo Janßen. Es gebe einiges an Kommunikationsbedarf, sagte Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, KAV-Direktorin für Organisationsentwicklung.

Janßen unterstrich jedoch, dass an der Umsetzung des vereinbarten Pakets "kein Weg vorbei" führe. Der KAV fühle sich an die Vereinbarung gebunden und erwarte von der Ärztekammer das Gleiche. Der eine Teil der Abmachung, dass die Ärzte um ein 30 bis 50 Prozent höheres Gehalt bekommen, werde seit über einem Jahr umgesetzt. "Jetzt ist es höchst an der Zeit, dass auch der andere Teil der Vereinbarung - nämlich eine Reduktion der Nachtdienste, dafür aber eine höhere Tagespräsenz umgesetzt wird", so Janßen.

Wienweite Nachtdienstreduktionen und die der Ärzteschaft angeblich aufoktroyierte Einführung eines neuen 12,5-Stunden-Schichtsystems hatten die Ärztekammer auf den Plan gerufen, sich für Stand und Patienten gleichermaßen einzusetzen und Protestmaßnahmen zu organisieren.

Wiener Gesundheitssystem droht "zu kollabieren"

Die jüngsten Konter des KAV hinsichtlich Ärztekammerabstimmung seien beispielhaft für die massive Fehleinschätzung von Stadt und Krankenanstaltenträger. Szekeres: "Wir werden der Stadt Wien und dem KAV unmissverständlich aufzeigen, dass ohne entsprechendes Gegenlenken nicht nur die Gemeindespitäler, sondern auch das gesamte Wiener Gesundheitssystem bald zu kollabieren droht."

Die elektronische Abstimmung unter ziviltechnischer und notarieller Aufsicht fand seit 29. Juli statt.

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