Zulieferer Bosch im Dunst-Kreis des Abgasskandals

Bild: Reuters
Der deutsche Zulieferer-Konzern mit zahlreichen Niederlassungen in Österreich soll geheime Absprachen mit Autoherstellern getroffen haben.

Bei einer sogenannten "OEM Task Force" soll der riesige Erstausrüster Bosch mehreren deutschen Autoherstellern Hinweise gegeben haben, wie diese ihre Probleme bei der Abgasreinigung kostengünstig lösen könnten – zu Lasten der Umwelt.

Der deutschen Zeitung "Bild am Sonntag" sollen interne Unterlagen vorliegen, welche dies belegen.

Bei der Sitzung Anfang 2008 sei über bauteilschädliche Ablagerungen in der Abgasanlage diskutiert worden, welche unter bestimmten Bedingungen durch die "AdBlue"-Technologie (siehe Infobox) entstehen können.

So funktioniert "AdBlue"
Bei der markenrechtlich geschützen "AdBlue"-Technologie wird eine Harnstofflösung in den Abgasstrom von Dieselmotoren eingespritzt. Der darin gelöste Ammoniak und die Stickoxide im Abgas reagieren dabei zu umweltfreundlichem Wasser und Stickstoff.

"AdBlue"-Lizenznehmer sind zur Einhaltung sämtlicher Qualitätskriterien des ISO 22241-1 Standards verpflichtet.

Jeder der involvierten Autobauer, darunter Audi und Daimler, hätte demnach seine eigenen Problemstellungen und potenzielle Lösungsansätze geschildert. Diese seien aber wieder verworfen worden, weil sie mit "erheblichen konstruktiven Anpassungen verbunden (zeitkritisch)" gewesen werden.

Diese Probleme wollten die Hersteller offenbar unter den Tisch kehren. Die Task Force hätte sich demnach darauf geeinigt, "diese Thematik in keiner Form gegenüber den US-Behörden EPA und CARB zu erwähnen, um den Anlauf in den USA nicht zu gefährden", wie es in einer E-Mail an Wolfgang Hatz, den früheren Leiter der Aggregate-Entwicklung von Audi heißen soll.

Mini-Lösung von Austro-Zulieferer

Von Bosch sei in Folge eine "kleinere Maßnahme zum Anlauf" vorgestellt worden. Der Bauteile-Zulieferer, der in Österreich seine internationalen "Kompetenzzentren der Kfz-Entwicklung" angesiedelt hat, soll demnach ein modifiziertes Dosierungsmodul vorgestellt haben. Ob damit dann noch der gewünschte Reinigungseffekt der Abgase eintreten würde, müsse man noch prüfen, soll es in dem Schreiben aus dem Jahr 2008 heißen.

Laut "Bild am Sonntag" habe Audi allerdings den Vorschlag von Bosch nicht umgesetzt. Audi setzte stattdessen auf ein nicht zugelassenes Kontrollsystem, das die "AdBlue"-Zugabe stark limitiert hatte, welches im Zuge des Abgas-Skandals 2015 durch amerikanische Behörden aufgedeckt wurde.

(red)

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