Politik

Auf diese Zahlen kommt es im Lockdown an

In der ZIB2 sprach Gesundheitsminister Rudolf Anschober über den neuerlichen Lockdown und über die Ziele, die erreicht werden müssen. 
Michael Rauhofer-Redl
14.11.2020, 22:54

Am Samstagabend stellte sich Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) den Fragen von ORF-Journalist Martin Thür. Der Politiker rechtfertigte den Lockdown u.a. mit Expertenschätzungen, die für kommende Woche nach wie vor von rund 7.000 Neuinfektionen täglich ausgehen. Schon jetzt zeige sich, dass die Situation in den Spitälern eng sei. Zwar konnten zuletzt Extremzuwächse etwas reduziert werden, das geschah aber "deutlich zu wenig", um einen Lockdown abwenden zu können. 

Thür konfrontierte Anschober damit, dass die Kontaktsperre für Singles, die Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Rahmen der samstägigen Pressekonferenz vorgestellt hat, so nicht im Verordnungstext zu finden sei. Anschober erklärte, dass in der Verordnung stünde, dass enge Angehörige getroffen werden dürfen. Dies solle aber nur einzeln geschehen. Auf diese Weise will man große Familientreffen vermeiden. 

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Contact Tracing muss "drastisch" ausgebaut werden

Wie schon im Rahmen der Pressekonferenz erklärte der Minister, dass die zweite Welle nun viel dynamischer sei und mit größerer Wucht ankäme. Gleichzeitig wies er Kritik zurück, wonach sich die Behörden nicht ausreichend auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet hätten. "Wir haben uns alle miteinander sehr, sehr intensiv auf diese Situation vorbereitet". Die Probleme beim Elektronischen Meldesystem (EMS) erklärte Anschober mit den gestiegenen Zahlen. Früher habe es 20.000 bis 30.000 Einmeldungen pro Jahr gegeben. Aktuell stehe man bei bis zu 40.000 pro Tag. Allein in diesem Jahr seien es bislang über zwei Millionen Einspeisungen gewesen. 

Um das Kontaktpersonenmanagement zu verbessern kündigt Anschober an, personell stark nachzubessern, wörtlich sprach er davon das Contact Tracing "drastisch auszubauen". Gelingen soll dies durch eine Digitalisierung und durch Unterstützung der AGES (Agentur für Gesundheit ubd Ernährungssicherheit). Die AGES soll die Behörden überall dort unterstützen, wo die Gesundheitsbehörden unterbesetzt sind. 

Um diese Zahlen geht es

Angesprochen auf die Schulschließungen erklärt der frühere Volksschullehrer, dass ihn dieser Schritt sehr schmerze. Er will allerdings, genauso wie Faßmann festgehalten wissen, dass es sich nicht um Schulschließungen handle. Denn vor Ort werde es eine Betreuungsmöglichkeit für jene Kinder geben, die nicht am Distance Learning teilnehmen können. 

Anschober zeigte sich optimistisch, dass der Schul-Lockdown am 7. Dezember beendet sein wird. Zwei Dinge müssen allerdings geschehen, dass der Lockdown nicht verlängert wird. Zum einen muss die Auslastung der Intensivbetten zurückgehen. Konkret muss der Zugang auf die Intesivstationen geringer sein, als der Abgang. Die zweite wichtige Kennzahl ist jene des Reproduktionsfaktors. Aktuell liege man bei 1,2. Sprich, ein Covid-19-Patient steckt derzeit, statistisch gesehen, 1,2 Personen mit dem SARS-CoV-2 an. Man wolle deutlich unter 0,9 kommen. Dann habe man eine kontrollierte Situation im Dezember und Jänner, so Anschober.