Aufschrei im Achten: Kassenärzte fehlen!

Die Josefstädter Bezirkschefin Veronika Mickel-Göttfert (ÖVP) und Bezirksärzte-Vertreter Paul Kampfhammer warnen vor zu wenig Kassenärzten im Achten.
Die Josefstädter Bezirkschefin Veronika Mickel-Göttfert (ÖVP) und Bezirksärzte-Vertreter Paul Kampfhammer warnen vor zu wenig Kassenärzten im Achten.Bild: BV8
In der Josefstadt fehlen Ärzte mit Kassenvertrag, warnt Bezirkschefin Veronika Mickel-Göttfert (ÖVP).

Kassenarzt-Stellen im achten Bezirk würden nicht nachbesetzt – obwohl es genügend Bewerber gibt, so die Josefstädter Bezirksvorsteherin Veronika Mickel-Göttfert.

Längere Wartezeiten

Dagegen würde die Zahl der Wahlarztpraxen in die Höhe schießen, so die Bezirkschefin. Sie warnt vor einem Abzug der Kassenarzt-Stellen aus den inneren Bezirken und der Verlagerung in die Außenbezirke. Es komme zu immer längeren Wartezeiten bei Terminen.

Mehr Ärzte, aber weniger Kassenärzte

Die Suche nach Ärzten, die neue Patientinnen und Patienten aufnehmen sei immer schwieriger. In Wien steige zwar die Anzahl der verfügbaren Ärzte, jedoch nicht die der Ärzte mit Kassenverträgen.

890 Josefstädter kommen auf einen Kassenarzt

2010 standen den rund 25.500 Bewohnern der Josefstadt 40 noch Kassenärzte zu Verfügung. 2016 sind es nur mehr 29. Soll heißen: Auf 890 Josefstädter kommt ein Kassenarzt (siehe Infobox). 2010 waren es noch 640 Personen, die einem Arzt gegenüberstanden.

2010 standen den rund 25.500 Bewohnern der Josefstadt laut Bezirk 40 Kassenärzte zu Verfügung. Im Jahr 2016 sind es nur mehr 29 Kassenärzte, was bedeutet, dass statt rund 640 Personen mittlerweile knapp 890 Personen auf einen behandelnden Kassenarzt kommen.
Auf eine Arztpraxis fallen so rund 40 Prozent mehr zu behandelnde Personen, rechnet der Bezirk vor.
Im Vergleich dazu verhält es sich bei den Wahlarztpraxen genau umgekehrt. 2010 waren in der Josefstadt 184 Wahlärzte tätig, wobei die Anzahl derer innerhalb von sechs Jahren um 31,5 Prozent auf 242 gestiegen ist.

Das Problem: Mit der steigenden Anzahl der Wahlarztpraxen stehen den Wienern zwar mehr Standorte für die Gesundheitsversorgung zu Verfügung. Doch: Eine leistbare Möglichkeit zur Behandlung in unmittelbarer Nähe müsse garantiert werden, fordert Mickel-Göttfert.

Verlagerung in die Außenbezirke?

"Die Einwohner der Josefstadt bekommen den Abzug der Kassenarzt-Stellen und die Verlagerung in die Außenbezirke deutlich zu spüren. Mit der zunehmenden Pensionswelle in den nächsten Jahren wird sich die Lage noch weiter zuspitzen", sagt Mickel-Göttfert. "Die Wartezeit auf Termine erhöht sich und die Verfügbarkeit von Fachärzten in unmittelbarer Nähe wird immer geringer, wie es in der Josefstadt im Bereich der Dermatologie bereits der Fall ist", warnt sie.

In den Innen-Bezirken habe es in den letzten Jahren eine Ausdünnung der Kassenärzte gegeben, so die Bezirkschefin: "Ich appelliere daher an die Wiener Gebietskrankenkasse hier anzusetzen, um die notwendige Gesundheitsversorgung der Bewohnerinnen und Bewohner aufrecht zu erhalten und anzukurbeln."

Bezirksärztevertreter: "Kampf mit bürokratischen Vorschriften"

"Die Einkommenssituation für die niedergelassenen Kassen-Allgemeinmediziner ist die schlechteste aller Ärzte. Es besteht zurzeit ein realer Netto-Einkommensverlust der letzten 10 Jahre von minus 25 Prozent bei steigenden Lohn-, Miet- und Lebenserhaltungskosten", sagt Paul Kapfhammer, Bezirksärztevertreter der Josefstadt. Und: "Die Kassenärzte haben stark mit den bürokratischen Vorschriften zu kämpfen, welche über 40 Prozent der ärztlichen Tätigkeit ausmachen und unbezahlt sind. Solch eine Bevormundung gibt es bei Wahlärzten nicht", erklärt er.

(gem)

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