Man findet sie überall: auf Gehwegen, in Parks, an Bushaltestellen. Zigarettenstummel gehören zu den häufigsten Müllarten in Städten. Jedes Jahr entstehen weltweit Millionen Tonnen davon. Die Filter zersetzen sich nur langsam und setzen dabei giftige Substanzen frei.
Eine aktuelle Studie chinesischer und britischer Forscher zeigt jetzt eine überraschende Lösung: Sie haben den problematischen Abfall in ein Material umgewandelt, das elektrische Energie speichern kann.
Wie CHIP berichtet, könnten Zigarettenstummel künftig als Ausgangsmaterial für leistungsfähige Energiespeicher dienen, statt im Müll zu landen. Die Filter bestehen hauptsächlich aus Celluloseacetat, einem kohlenstoffhaltigen Kunststoff.
Unter kontrollierten Bedingungen wird daraus sogenannter Biochar erzeugt - ein poröser Kohlenstoff, der elektrische Ladungen speichern kann. Nach thermischer Behandlung bei etwa 700 Grad Celsius erreicht das Material eine enorme Oberfläche von über 2.100 Quadratmetern pro Gramm.
Die Forscher testeten das Material in sogenannten Superkondensatoren. Diese können sehr schnell geladen und entladen werden und sind extrem langlebig. Selbst nach 10.000 Lade- und Entladezyklen blieb mehr als 95 Prozent der ursprünglichen Leistung erhalten.
Studienleiter Leichang Cao betont: "Zigarettenkippen sind nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch eine wertvolle Kohlenstoffquelle." Der große Vorteil: Die Elektroden kommen ohne seltene Metalle wie Lithium, Kobalt oder Nickel aus.
Statt Zigarettenstummel kostenintensiv zu entsorgen, könnten sie künftig gezielt gesammelt und als Rohstoff verwendet werden. Das würde sowohl die Umweltverschmutzung reduzieren als auch den Bedarf an Materialien senken, die aus Holz, Kohle oder Erdöl gewonnen werden.