Lavastrom reißt Dutzende Menschen in den Tod

Kilometerweit spuckt der Feuervulkan in Guatemala schwarzen Rauch in die Luft, die Asche bedeckt das Land. Etliche Bewohner der Gegend hatten keine Chance.

Nach dem Ausbruch eines Vulkans in Guatemala ist die Opferzahl weiter gestiegen. Mittlerweile seien 65 Leichen entdeckt worden, teilte ein guatemaltekischer Behördenvertreter mit.

Zudem hätten 46 Menschen ernsthafte Verletzungen erlitten; viele davon Verbrennungen, heißt es weiter..

Viele Dorfbewohner hatten wohl keine Chance, als sich der Strom aus Asche, Lava und Gas die Hänge des Berges hinabwälzte. Die Siedlungen El Rodeo und San Miguel Los Lotes wurden weitgehend zerstört.

"Nicht alle Leute haben es geschafft, sie konnten nicht weg. Ich glaube, sie sind verschüttet worden", sagte Consuelo Hernández. Die 40-Jährige konnte sich mit einigen Angehörigen auf eine Anhöhe in der Nähe ihres Hauses retten. "Die Lava kam wie ein Sturzbach über die Felder und über die Straße."

Rund 3100 Menschen mussten das Gebiet um den Vulkan verlassen, wie die Streitkräfte auf Twitter mitteilten. Laut Regierung waren rund 1,7 Millionen Menschen betroffen von dem Vulkanausbruch des Volcán de Fuego, wie der Feuervulkan auf Spanisch heißt. Er liegt rund 70 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt. Nach Informationen des Gesundheitsministeriums wurden Notunterkünfte für die Betroffenen eingerichtet, Essen wurde bereitgestellt.

Schreckliche Bilder

Häuser, Bäume und Straßen waren von grauer Asche bedeckt, weite Teile des Katastrophengebiets versanken im Schlamm. Im Fernsehen war zu sehen, wie Rettungskräfte Kinder und ältere Menschen auf dem Rücken aus der Gefahrenzone brachten. In einem anderen Beitrag war ein vollständig mit Asche und Schlamm bedeckter Mann zu sehen, der am Wegesrand auf Hilfe wartete.

"Es war wie in einem Ofen", erzählte Antonio López aus dem Dorf El Rodeo der Zeitung "El Periódico". "Ich habe meinem kleinsten Sohn den Mund und die Nase mit einem Lappen bedeckt. Über uns waren viele Menschen mit Verbrennungen, aber sie haben noch gelebt." Ein anderer Dorfbewohner sagte: "Wir konnten unsere Angehörigen nicht da rausholen. Wir sind acht, und sie sind noch alle dort. Wir haben nichts mehr, wir haben alles verloren."

Von der Außenwelt abgeschnitten

In dem zerstörten Weiler San Miguel Los Lotes sah ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP eine trostlose Landschaft mit zertrümmerten Häuschen, geschwärzten Leichen von Menschen und Haustieren inmitten von Schlamm und noch rauchender Asche.

Die 48-jährige Eufemia García verdankt ihr Leben ihrem Mann, der sie aus dem Haus zog. Aber am Montag suchte sie drei ihrer Söhne, ihre Mutter, Bruder und Neffen. "Ich wollte nicht weg, ich wollte zurück, und ich konnte nichts machen, um meine Familie zu retten", sagt sie schluchzend.

De León sagte im CNN-Fernsehen, eine Ortschaft nördlich des Feuervulkans sei von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Zufahrtsstraßen bei dem Ausbruch zerstört worden seien. Ein heftiger Regen während des Vulkanausbruchs mischte sich mit der Vulkanasche und sorgte für Atemwegsbeschwerden sowie für eine starke Verschmutzung von Wasserläufen und Anbauflächen.

Auf Fernsehbildern waren von brennendem Gestein bedeckte Leichen und von Kopf bis Fuß mit Asche überzogene Überlebende zu sehen. Viele Menschen mussten in Notunterkünfte flüchten. Auch der bei Touristen wegen seiner Architektur im Kolonialstil beliebte Ort Antigua Guatemala war von dem Vulkanausbruch betroffen.

"Die Lava kam zur Tür herein"

Rund 3200 Menschen mussten das Gebiet um den Vulkan verlassen, wie die Streitkräfte auf Twitter mitteilten. Laut Regierung waren 1,7 Millionen Menschen von dem Ausbruch des 3700 Meter hohen Volcán de Fuego betroffen. Er liegt etwa 70 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt. Die Rettungskräfte richteten Notunterkünfte ein und verteilten Essen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

"Die Lava kam zur Tür herein und hat mich am Fuß verbrannt", sagte Domingo López, der mit seiner Tochter und seiner Enkelin in einer Notunterkunft Schutz gesucht hat. "Ich konnte es nicht glauben. Es gab immer mal Ausbrüche mit Ascheregen, aber nicht so etwas."

Auf Twitter verbreitete Videos der Streitkräfte zeigten Helfer, die mit Asche verschmierte Kinder aus Häusern trugen. Nach den Angaben waren rund 300 Soldaten im Einsatz. "Direkt am Berghang haben wir ein Mädchen gerettet. Es gab dort mehrere Tote, sie sind verbrannt - einige konnten wir aber retten", sagte ein Polizist der Zeitung "El Periódico".

Katastrophenfall ausgerufen

Präsident Jimmy Morales besuchte die Unglücksregion und rief die Bevölkerung in dem Gebiet um den Vulkan auf, die Sicherheitshinweise zu beachten. Nach einer Kabinettssitzung erklärte er den Katastrophenfall für die drei Departemente Escuintla, Sacatepéquez und Chimaltenango. Damit können schneller Hilfen für die Region bereitgestellt werden.

Angesichts der Katastrophe boten mehrere Länder Unterstützung an. Mexiko, Honduras und die Vereinten Nationen erklärten sich bereit, dem mittelamerikanischen Land zu helfen. Israel kündigte an, Hilfsgüter wie Lebensmittel und Medizin nach Guatemala zu schicken.

Nach Angaben des Katastrophenschutzes handelte es sich um den schlimmsten Ausbruch der vergangenen Jahre. Die Rauchwolken stiegen demnach bis auf zehn Kilometer über den Meeresspiegel.

Der Feuervulkan hatte bereits Ende Mai einen Schlammstrom ausgespuckt, wie das Institut für Seismologie und Vulkanologie Guatemalas auf seiner Homepage mitteilte. Bereits seit 2002 zeigt der Vulkan demnach immer wieder kräftige Aktivität. Historische Aufzeichnungen über Ausbrüche des Feuervulkans gehen dem Institut zufolge zurück bis in das Jahr 1531. (roy)

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