Die Österreichische Nationalbank berichtete am Dienstag von einem historischen Novum. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen schuldet das Ausland Österreich mehr als umgekehrt.
2012 wurden die jahrzehntelang gewachsenen Finanzschulden im Ausland per saldo vollständig abgebaut. Erstmals seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen der Notenbanker habe Österreich Ende 2012 sogar eine geringe Nettoforderung von 1,5 Mrd. Euro aufgewiesen. Damit war auch die Einkommensbilanz mit dem Ausland praktisch ausgeglichen.
Erstmals seit die Daten aufgezeichnet werden, ist die österreichische Volkswirtschaft gegenüber dem Rest der Welt Nettogläubiger. Wer uns diesen Saldo schuldet, ist freilich nicht zuzuordnen. "Bei 830 Milliarden verläuft sich das", sagte der Chefstatistiker der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Johannes Turner, am Dienstag bei einem Pressegespräch mit OeNB-Direktor Andreas Ittner in Wien.
Entscheidend für diesen "historischen Moment" war, dass die Leistungsbilanz seit mehr als zehn Jahren stabil Überschüsse erzielte und damit Kapitalexporte verblieben, allerdings spielten auch Bewertungseffekte mit. Laut Notenbank gehören von 182 Ländern weltweit nur 40 Länder dem Kreis der Gläubigerländer an. Denen stehen 100 Schuldnerländer gegenüber. Vom Rest liegen keine verlässlichen Daten vor.
Direktinvestitionen aus dem Ausland gering
Ausländische Direktinvestoren zeigten Österreich vergangenes Jahr größtenteils die kalte Schulter, bedeutende Neu-Investments sind selten. Getragen waren die Direktinvestitionen großteils von konzerninternen Krediten (also bestehenden Beteiligungen) und reinvestierten Gewinnen. Rezession in weiten Teilen des Kontinents und mäßige Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft dämpften die Investitionsfreude. Insgesamt lagen aktive und passive Direkt-Investitionsströme 2012 unter Vorjahresniveau.
Ungeachtet dessen sprudelten zuletzt die Dividendenströme in beide Richtungen: Österreichs Direktinvestoren kassierten 2012 rund 8 Mrd. Euro von ihren ausländischen Töchtern und Beteiligungen. Österreichs Firmen schütteten wiederum 7 Mrd. Euro an ihre ausländischen Eigentümer aus. Das waren neue Rekordstände. Und das lässt die Nationalbank zumindest "eine günstige Ertragssituation vermuten".
Dienstleistungsüberschuss kompensiert Handelsbilanz-Defizit
Das neuerliche Defizit in der Handelsbilanz (Güterdefizit: 7 Mrd. Euro) wurde durch einen hohen Dienstleistungsüberschuss überkompensiert. Im Reiseverkehr gab es das zweitbeste Nettoergebnis der Geschichte: Einnahmenüberschuss von 6,8 Mrd. Euro. Immer wichtiger für die heimische Tourismusindustrie werden Russen und Chinesen. Die Nächtigungszahlen russischer Gäste legen zweistellig zu, und Chinesen sind in den Nächtigungsstatistiken schon fast so bedeutend wie die Japaner.
APA/red