Ausnahmezustand bei Terror-Prozess um Islamisten

Am Mittwoch hat im Wiener Landesgericht der Prozess gegen vier Islamisten begonnen, denen die Mitgliedschaft an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird. Zwei weitere Angeklagte fehlen. Das Landesgericht für Strafsachen glich angesichts der immensen Sicherheitsvorkehrungen einer Festung.

Am Mittwoch hat im Wiener Landesgericht der Prozess gegen vier Islamisten begonnen, denen die Mitgliedschaft an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird. Das Landesgericht für Strafsachen glich angesichts der immensen Sicherheitsvorkehrungen einer Festung.

Vor dem Betreten des Gerichtssaals musste eine mobile Sicherheitsschleuse passiert werden, im Saal selbst überwachten Verfassungsschützer das Geschehen. Während Staatsanwältin Nina Mayrgündter in einem rund eineinhalbstündigen Powerpoint-Vortrag die Vorwürfe gegen die Gruppe um den Hauptangeklagten Thomas Al J. (26) skizzierte, bezeichnete dessen Verteidiger Lennart Binder die Anschuldigungen als "reine paranoide Verschwörungstheorien".

Die Gruppe um den Hauptangeklagten Thomas Al J. (26) soll die Ziele der Al-Qaida und verwandter Terror-Netzwerke sowie zwei Wiener Jugendliche unterstützt haben, die im Mai 2009 die Bundeshauptstadt verlassen hatten, um sich in Pakistan in einem Lager der radikal-islamischen Hizb-i-Islami-Milizen ausbilden zu lassen.

Geld für "Koranschule"

Sein Mandant habe "ganz normale Verhaltensweisen gesetzt" und sich nichts Strafbares zuschulden kommen lassen, hielt Verteidiger Lennart Binder der Staatsanwältin entgegen. Thomas Al J. habe dem Jugendlichen zwar Geld zukommen lassen, doch nicht für terroristische Zwecke. Er sei davon ausgegangen, dass der Bursch in einer Koranschule unterrichtet wurde.

Thomas Al J. war eng mit den zwei Jugendlichen bekannt in Pakistan den "Kampf gegen die Ungläubigen" aufzunehmen. Der Jüngere der beiden, der damals erst 16 Jahre alte Kerim Ben A., landete nach der Ausbildung zum bewaffneten Dschihadisten bei der "Islamischen Bewegung Usbekistan" und wurde dort "für temporäre Kommandoaktionen wie Anschläge auf Konvois der pakistanischen Armee oder der alliierten Verbände herangezogen", heißt es in der Anklageschrift des Wiener Islamisten-Prozesses.

Ein Bursche starb in Pakistan

Im Alter von 18 starb der angeblich fanatische Wahabit, der in Wien seiner Mutter den Alkohol-Konsum untersagt und seiner Schwester deren Freund "verboten" hatte, weil dieser "kein richtiger Moslem" sei, bei Kampfhandlungen. Ein seinen "Märtyrertod" verherrlichendes Video war von Islamisten auf Youtube platziert worden.

Thomas Al J. soll außerdem Reisen zu Terror-Camps organisiert und versucht haben, Ende 2009 mit seiner Familie und mehreren Mitangeklagten nach Somalia zu gelangen, "um sich dort den Al Shabaab-Milizen anzuschließen und mit diesen zu kämpfen und diese auch auf sonstige Weise zu unterstützen", wie es in der Anklage heißt.

Somalia-Reise, "um andere Länder kennen zu lernen"

Die letztlich gescheiterte Reise der 13-köpfigen Gruppe nach Somalia - Versuche, über Äthiopien und Dschibuti dorthin zu gelangen, schlugen fehl - war laut Binder "eine Fernreise, um andere Länder kennenzulernen". Der 26-Jährige habe sich "ein Bild vom Somalia machen wollen. Das war damals ein relativ ruhiges Land. Kämpfe hat es damals nur in Mogadischu gegeben." Es sei nie geplant gewesen, sich Milizen anzuschließen, betonte der Anwalt.

Nachdem das gescheitert war, soll der Mann bis zu seiner Festnahme am 15. Juni 2011 die fundamentale Website "ansarulhaqq.com" betrieben und dabei für die Al-Qaida und den Dschihad eingetreten sein.

Mit dem übersetzten und auf seiner privaten Homepage publizierten Artikel habe Thomas Al J. "nur seine Freunde informieren wollen", sagte sein Rechtsbeistand. Bis 22. Juni sind insgesamt zehn Verhandlungstage anberaumt.

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