Austro-Bierbrauer verteidigt "Mohrenköpfe"

Debatte in der Schweiz: Sind "Mohrenköpfe" wirklich rassistisch?
Debatte in der Schweiz: Sind "Mohrenköpfe" wirklich rassistisch?Bild: picturedesk.com
Nachdem die Mohrenköpfe der Firma Dubler unter Beschuss geraten waren, gab es heute einen Ansturm auf die Süßigkeiten. Unterstützung kommt auch aus Österreich.
Das "Komitee gegen rassistische Süssigkeiten" hat eine Petition gestartet, die die Schweizer Firma Dubler aus Waltenschwil (Kanton Aargau) dazu zwingen soll, ihre "Mohrenköpfe" umzubenennen. Der Begriff sei eine "herabwürdigende Bezeichnung für den Kopf einer dunkelhäutigen Person" – "heute.at" berichtete.

Die Forderung schlug hohe Wellen. Firmeninhaber Robert Dubler kann sich jetzt vor Anfragen kaum retten. "Das Telefon klingelt ununterbrochen, dauernd kommen E-Mails rein." Die Reaktionen seien durchs Band positiv. "Die Leute bestärken mich darin, so weiterzumachen wie bisher und den Namen nicht zu ändern." Er sei jetzt bemüht, bei all dem Trubel am Boden zu bleiben.

Support von österreichischem Bierbrauer

Viele Leute schrieben ihm, dass sie jetzt Mohrenköpfe kaufen wollten. "Doch diese sind schon überall ausverkauft." Dubler ist ob der großen Anteilnahme gerührt: "Wenn man etwas so lange macht wie ich, dann ist das schon sehr bewegend." Das positive Echo sei weit mehr wert als der finanzielle Zuspruch durch den zusätzlichen Verkauf. "Wenn man sieht, dass die eigene Arbeit geschätzt wird, lässt sich das nicht in Zahlen messen."



CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Das Logo der Mohrenbrauerei war ebenfalls schon unter Beschuss. (Bild: Hersteller)

Support erhält Dubler aus Österreich: Auf dem Logo der Vorarlberger Mohrenbrauerei prangt das Schattenbild eines stilisierten schwarzen Mannes. Das Logo stammt vom Familienwappen des Gründervaters Josef Mohr. "Auch uns wird immer wieder vorgeworfen, dass unser Logo rassistisch sei", sagt der Geschäftsführer Reinhard Hämmerle. Eine Änderung des Logos oder des Namens stehe aber nicht zur Debatte. "Ich ermutige auch Herrn Dubler, standhaft zu bleiben", sagt Hämmerle.

Und auch auf Facebook springen User für Dubler in die Bresche: "1971 gab's für die "Thurgauer Zeitung" noch keine korrektpolitische Mohrenkopfdiskussion..."



Keine Lust auf SVP-Besuch

Unterstützung erhält Dubler auch von der jungen SVP des Kantons Luzern. Sie hat angekündigt, der Firma einen Besuch abzustatten. Dubler reagiert abwehrend: "Das ist zwar nett, aber – nein, danke, lieber nicht." Sonst fange es wieder an mit links, rechts, Grün und Rot. "Das will ich gar nicht."

Laut Gülcan Akkaya, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR, verstößt der Begriff Mohrenkopf als solcher nicht gegen die Rassismusstrafnorm. Die Verwendung des Begriffs ist laut Strafgesetzbuch nicht strafbar und aus rechtlicher Sicht entsprechend unproblematisch. "Dennoch kann das Wort unter Berücksichtigung der kolonialen Vergangenheit unangemessen und verletzend sein", sagt Akkaya. (red)

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