Auto-Daten sollen auch in Wien Roadrunner überführen

Bild aus Tesla-Frontkamera: Biker raste 150 km/h und krachte in Tesla.
Bild aus Tesla-Frontkamera: Biker raste 150 km/h und krachte in Tesla.ZVg
Tempo, Bremsung, Beschleunigung: Moderne Autos zeichnen jede Sekunde einer Fahrt auf. Diese Daten können helfen, Unfälle lückenlos aufzuklären. 

Nächtliches Aufheulen der Motoren im Siedlungsgebiet mit über 120 Dezibel, rücksichtlose Duelle bei illegalen Straßenrennen. Geschwindigkeiten von 160 km/h im Ortsgebiet: Straßenrowdies und illegale Straßenrennen sind auch in Wien leider an der Tagesordnung – vor allem am Gürtel und in Wien-Favoriten. Erst im Vorjahr starb eine völlig unbeteiligte Frau am Ring in der Wiener City. Im Rahmen einer Enquete im Kuppelsaal der TU Wien wurde auf Einladung von Mobilitätsstadträtin Ulli Sima (SP) nun zur strengeren Vorgangsweise im Umgang mit PS-starken Gefährdern beraten.

Daten aus Bordcomputer helfen Ermittler

Um Rasern das Handwerk zu legen, gibt es eine Vielzahl von technischen Hilfsmitteln, die in Deutschland angewendet werden. So können mittels technischer Hilfsmittel wie EDR (Event-Data-Recording) und anderer digitaler Assistenzsysteme Unfallhergänge penibel rekonstruiert und in Strafverfahren als Beweismittel eingesetzt werden.

Dies wird in Deutschland seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert, in Österreich erfolgt die standardmäßige Auslesung derartiger technischer Systeme noch nicht.

Ausgelesene Autodaten liefern Ermittlern wichtige Details.
Ausgelesene Autodaten liefern Ermittlern wichtige Details.ZVg

Unfall rekonstruiert 

"Der Nachweis eines Kraftfahrzeug-Rennens ist mitunter schwierig, doch längt nicht unmöglich", erläutert Andreas Winkelmann. "Durch das Auslesen der gespeicherten Fahrzeugdaten kann der 'Jagd nach grenzenloser Geschwindigkeit' wirksam begegnet werden. Einblicke in das Fahrverhalten und Rückschlüsse auf die Tätermotivation sind dadurch möglich.

Mit Oberstaatsanwalt  Rüdiger Reiff und Amtsanwalt Andreas Winkelmann erläuterten ausgewiesene Experten aus Berlin die konsequente Handhabe in Deutschland. Die dort eingeführten Gesetzesverschärfungen und technischen Methoden zur Überführung von Extremrasern standern im inhaltlichen Mittelpunkt der Veranstaltung. 

Unfälle können mit Daten aus Bordcomputer rekonstruiert werden.
Unfälle können mit Daten aus Bordcomputer rekonstruiert werden.Stadt Wien

Strengere Strafen gefordert

"Straßenrowdies und illegale Straßenrennen haben in Wien keinen Platz. Wir haben als Stadt schon viele Maßnahmen gesetzt, führen mit der Polizei wöchentlich Schwerpunktkontrollen durch, setzen bauliche Maßnahmen an Raser-Hotspots. Doch das reicht nicht aus, wir brauchen Gesetzesverschärfungen auf Bundesebene", so Mobilitätsstadträtin Ulli Sima.

1.560 Autos im Vorjahr überprüft

Im letzten Jahr 2022 wurden bei den Schwerpunktaktionen der MA 46 gemeinsam mit der Polizei 1.560 Fahrzeuge überprüft. 92 Prozent der Fahrzeuge wiesen schwere Mängel auf, bei einem Drittel der Autos lag Gefahr in Verzug vor. Die Kennzeichen wurden an Ort und Stelle abgenommen.

Planungsstadträtin Ulli Sima (SP) mit Berliner Verkehrsjuristen Andreas Winkelmann (l.) und Rüdiger Reiff.
Planungsstadträtin Ulli Sima (SP) mit Berliner Verkehrsjuristen Andreas Winkelmann (l.) und Rüdiger Reiff.Sabine Hertel

Eigener Strafrechts-Paragraph

Berlin hat schon 2017 einen eigenen Strafrechtsparagrafen (§ 315d deutsches StGB) eingeführt. Zuvor waren Straßenrennen eine bloße Ordnungswidrigkeit, führten lediglich zu einer verwaltungsstrafrechtlichen Strafe. Das entspricht auch der geltenden österreichischen Rechtslage. Seit der Gesetzesänderung 2017 drohen in Deutschland für Veranstaltung und Teilnahme an verbotenen Straßenrennen bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe – auch eine Verurteilung wegen Mordes gab es schon. 

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